Cirò

Der Hauptort liegt auf 351 m Höhe und hat 2600 Einwohner, viel weniger wie Cirò Marina. 1950 waren es noch über 5000. Ein aussterbender Ort, vielleicht? Wir fuhren mit den Fahrrädern in ein Tal südlich der Stadt. Kaum hatten wir die SS 106 passiert waren wir fast allein auf der Straße. In einem großen Olivenhain graste eine Pferdeherde.

Weiter hinten begannen die Weinberge. Die Weine um Cirò haben einen guten Ruf. Auffallend waren die großen Hänge mit rot blühendem Klee :Kronen-Süßklee (Hedysarum coronarium), er wird als Futterpflanze, Bienenweide und zum Befestigen der Humusschicht angebaut.

Nach einigen Kilometern war die Straße zwar noch nach Cirò ausgeschildert, für den Verkehr aber gesperrt. Vor uns lag der Ort auf der Höhe und so fuhren wir, bis es nicht mehr ging. Die Strße waren durch heftigem Regen teilweise abgerutscht. Einzelne Autos kamen uns langsam entgegen und so fuhren wir weiter bis wir plötzlich das Ortsschild passiert hatten.

Der Ort liegt in mehreren Etagen auf einem Felssporn, oft ist die Straße nur einspurig, und dann muss man schon mal warten, bis es weiter geht. Zum Einen ist der Blick auf die Küste und das Meer wunderschön. Es gibt kaum mehr Geschäfte, so sieht man viele Automaten. Einige Bars vor denen sich vor allem ältere Männer treffen , die oft gut deutsch sprechen. Es gibt einige hübsche Grafittis, sonst hat sich aber an dem mittelalterlichen Aussehen nichts verändert.

Punta Alice

Auf gut Glück waren wir gestern weiter in den Süden gefahren. Der erste Campingplatz, der dem Führer nach offen sein sollte, war geschlossen, so haben wir uns weiter durch gefragt und sind hier in Ciro Marina gelandet. Punta Alice ist eine Landspitze mit Leuchtturm nach der unser Campingplatz benannt ist.

Endlich ist es schön warm, so dass wir unsere Sommerklamotten heraus holen können. Der Campingplatz ist noch sehr leer, aber die Sanitärgebäude, die geöffnet haben sind gut ausgestattet und sauber. Wir fühlen uns wohl.

Gestern Abend sind wir noch in den Ort gefahren, es war ja Feiertag in Italien. Man feierte den Tag der Befreiung vom Faschismus. Und bei uns gab es den ersten Handschlag eines US-Amerikaners mit einem Russen in Torgau an der Elbe. Gut, das war gestern. – Wir haben an der Strandpromenade eine sehr gute Pizza bekommen, man bemühte sich sehr uns jeden erdenkbaren Gefallen zu tun und wir werden dort wieder hingehen.

Nach herrlich ruhiger Nacht wachten wir früh auf. Unsere erste Erkundungstour führte uns zum Punta Alice. Der Leuchtturm ist militärische Sperrzone und was sonst noch von Menschen errichtet war, sah ziemlich herunter gekommen aus. Zwei Wohnmobile hatten hier einen Platz gefunden. Das Schönste war aber der Blütenreichtum im Übergangsbereich von Strand und Wald.

Auf dem Rückweg haben wir noch einheimische Orangen gekauft, 1kg – 1 €, herrlich saftig, nur entsprachen sie vom Aussehen her keiner EU-Norm. Gut für uns.

Policolo: Camping und Rundfahrt

Nein, das ist kein gewöhnlicher Campingplatz, wir sind in einem Villagio, einem Freiluft-Hotel all inklusive. Zu Beginn waren wenig Leute hier, nun am Wochenende aber hat sich das geändert. Die Massen wollen bespaßt werden. Der Platz wird beschallt, das Restaurant entpuppt sich als Kantine, wo die Menschenschlange mit ihren Tabletts Schlange steht, sich die Teller übervoll lädt, da ja schon alles bezahlt ist.

Auf dem für Wohnmobile reserviertem Zaunplatz stehen die Wagen nun so eng wie der Flur in einem billigen Hotel.

Das eigentliche Ausmaß erkannten wir erst nach dem wir von einer längeren Fahrradtour ins Hinterland zurück kamen. Die Tour war wirklich schön. So lange wir auf Nebenstraßen fuhren, gab es kaum Verkehr. Orangen dufteten und einige nicht genutzte Wiesen breiteten ihren Blumenteppich aus. So weit war alles wunderbar, aber dann kamen wir ins Villagio zurück.

Die Akkus werden alle aufgeladen, das Meiste werde ich schon heute Abend einpacken, dann geht es morgen weiter.

Lido di Policoro – Erster Eindruck

Nun sind wir im Villagio di Pollicoro gelandet, an der Westseite des Ionischen Meeres. Hier sollte es wärmer sein und schon gestern hatten wir mehr als 20°C. Heute haben wir zum ersten Mal Sandalen und T-Shirt an, das Sonnenrollo ist ausgefahren und wir fühlen uns pudelwohl.

Das Villagio ist eine Ferienhaussiedlung an dessen äußeren Eck ein paar Plätze für Wohnmobile übrig waren. Jetzt am Wochenende ist etwas von Urlaubstrubel zu spüren, aber es ist noch zum Aushalten.

Ein langer Sandstrand liegt vor dem Kiefernwald, begrenzt durch eine Promenade mit den ersten geöffneten Geschäften. Durch den heftigen Wind der letzten Tage branden hohe Wellen an den Strand. Ein Spektakel zum Anschauen, baden will hier eh noch niemand. Die Italiener überlegen gerade, ob sie auf die schwarzen Steppjacken schon verzichten können.

Im Westen sehen wir die schneebedeckten Spitzen des Mt. Caldarosa (1491 m ü. NN), hier blühen die Mimosen und Orangen. Vor allem der Orangenduft ist traumhaft, wenn man mit den Fahrrädern an den Plantagen vorbei fährt. Die Mandeln hängen schon an den Bäumen und die Erdbeeren färben sich rot in den Foliengewächshäusern. Eine Quelle die Produkte hier vor Ort einzukaufen, wollen wir morgen suchen.

Wir wurden eingeladen uns eine Feriensiedlung an zu schauen, so was wie La Grande Motte in Frankreich, eine künstliche Seenlandschaft mit Yachthafen mit Nobelappartements, Boutiquen und was man so braucht. Eintritt nur durch eine Schranke und dann ist man in einer anderen Welt. Mit dem nötigen Kleingeld kann man hier die Unannehmlichkeiten des Alltags vergessen.

Santa Maria di Leuca

Wie die Italiener werde ich im Folgenden nur von Leuca schreiben. – Auf der Hauptstraße sind es nur 3 km bis zum Hafen, aber per google-maps haben wir uns einen Weg für die Fahrräder durch die Felder und Olivenhaine gesucht. Trotzdem haben wir uns etwas verfahren. Da wir von 3 Seiten von Wasser umgeben sind, kamen wir dennoch bald an unserem Ziel an, dem Leuchtturm, von dem Platz drum herum hat man einen schönen Blick auf den Ort und in Richtung Afrika.

Daneben steht eine Wallfahrtskirche, hab es aus dem Führer, das Gebäude sieht nämlich nicht dem nach aus. Wir haben uns vom Wind durchpusten lassen und sind dann hinunter in den Ort gefahren, mit 1300 Einwohnern wäre der Begriff Stadt etwas übertrieben.

Punkten kann der Ort aber mit einigen (40) Villen, die an der Promenade und da hinter stehen. Das weist auf eine länger zurück liegende Bedeutung des Ortes für den Tourismus hin. Da wir Jugendstilornamente entdeckten, glauben wir, dass sie zwischen 1900 und 1920 erbaut wurden. Im Moment werden viele Villen für die Sommersaison her gerichtet.

Noch irren einige wenige Touristen durch die Gassen, um die wenigen bereits geöffneten Läden zu finden. – Der Wind zieht einem die Wärme aus den Händen, so fuhren wir nach dem Mittagessen zügig zum Campingplatz zurück. In den eigenen 4 Wänden ist es gemütlich und später wollen wir noch Boule spielen.

Fahrt nach Leuca

Damit erreichen wir das südliche Ende von Pulia (Apulien), wie es auf italienisch heißt. Dafür fuhren wir die Küstenstraße von Gallipoli nach Süden. Der ganze Weg ist nur für 50 km/h zugelassen, was natürlich ein Segen für die Fahrradfahrer ist, von denen wir einigen begegnet sind.

Bis auf wenige kurze Abschnitte zieht sich die Felsküste bis zum Ende, da zwischen gab es sogar eine Sanddüne. Über mehrere Kilometer erstreckte sich ein neuer Küstenwanderweg. Man tut was für´s Publikum.

Es war im Führer auch ein Naturschutzgebiet mit Orchideen vermerkt. Das haben wir verzweifelt gesucht. Und dann sah ich plötzlich Orchideen am Straßenrand. Weiter weg standen noch viel mehr. Um dort hin zu gelangen, musste ich erst mal einen Müllstreifen durchqueren. Der zog sich scheinbar endlos an der Straße entlang, als wenn Leute ihren Müll aus dem Autofenster in die Büsche geworfen hätten.

Da hinter fand ich einen Weg durch die Büsche von einem Orchideenstandort zum anderen. Ob die weißen und die rosa Orchideen von der selben Art waren, kann ich nicht sagen. Sie wachsen durch einander, aber immer eindeutig weiß oder rosa.

Nach der vierten Baustelle mit Ampel und sehr enger Straßenführung verließen wir die Küstenstraße und hielten auf unseren nächsten Campingplatz zu, 3 km nördlich von Marina di Leuca.

Gallipoli

Nach dem wir gestern bei stürmischen Wetter nur bis an den Rand der Altstadt gekommen sind, sind wir heute mit den Rädern bis hin gefahren, dann wurde es in der Altstadt ziemlich eng und wir haben die Räder meistens geschoben,

Die alten Befestigungsanlagen umschließen die komplette Altstadt, haben aber nur die Höhe der Hauptstraße, die im Einbahnverkehr einmal außen herum führt. Wenn sich dann mal ein Auto, Fiat 500 oder kleiner, in die Gassen verirrt, wird es echt eng. Während dessen kurven etliche Motorroller hier herum.

In einigen Gassen gibt es ein touristisches Angebot, noch sind die Mehrzahl der Passanten Einheimische, die ihre kleinen Läden besuchen, oft schwatzend die ganze Gassenbreite beanspruchen, einem aber freundlich grüßend Platz machen.

Der Zustand der Häuser ist sehr unterschiedlich, oft sieht man ein zum Teil offenes Treppenhaus, die Stockwerke in den unteren 2 Etagen sehr hoch. Die Fenster besitzen oben oft einen verzierten Regenschutz, manchmal geschmückte Balkonstützen aus Kalksandstein, der oft vom Wetter sehr angegriffen aussieht.

Gallipoli3

Einige Türen führen von der Gasse direkt in ein Zimmer, so dass man einen Einblick in den privaten Bereich erhält. Gallipoli besitzt keine herausragenden Sehenswürdigkeiten, punktet aber mit einer ansprechenden Atmosphäre und vielen Kleinigkeiten, die es zu entdecken gilt.

Fahrt nach Gallipoli

Wie angekündigt fing es in der Nacht an zu regnen und hielt sich dran. Damit war die Entscheidung schnell getroffen: Wir fahren weiter. Nach dem es über Ostern allgemein kalt werden soll, suchten wir uns die wärmste Ecke hier unten aus, und das war Gallipoli.

Quer über das Land an den Golf von Taranto soll es gehen. Die Landschaft mit den Trullis hielt sich noch eine ganze Weile, so bis zur Mitte der Halbinsel, dann folgte ein Streifen mit einem niedrigen Eichenwald. Am Wegesrand einer Nebenstraße entdeckte ich während der Fahrt Orchideen. – Die Straßen sind hier ziemlich schlecht, oft nur für 70 km/h zugelassen, oft Kilometerweit 40 km/h, an das sich kaum jemand hält. In den Ortschaften findet man oft 40 km/h und weniger. Wenn man zügig vorwärts kommen will, bleibt einem nur die Autobahn.

Kurz vor dem Mittagessen erreichten wir unseren nächsten Campingplatz nördlich von Gallipoli. Hier findet man eine felsige Küste. Es blüht, aber bei dem stürmischen Wind heute, konnte ich nur eine kleine Schwertlilie am Straßenrand fotografieren.

Wir mussten etwa 100m bis zu 2 Fischrestaurants laufen. Mit viel Glück ergatterten wir die letzten beiden freien Plätzen. Es ist Ostern und die Italiener gehen mit der ganzen Familie zum Essen. Das Essen: Fischsalat, Nudeln mit Langustine, gegrillte Meeresfrüchte im Hauptgang war sehr gut. Nur war es uns zu laut. Da war der Sturm vor der Tür schon angenehmer und erst hier geschützt hinter Hecken im Wohnmobil ist es richtig schön.

Die Trullis von Alberobello

Die Trullis, Steinhäuser mit kegelförmigen Dächern findet man immer mal wieder im Süden Apuliens, aber auch in anderen Staaten. Sie stehen in Olivenhainen zum Unterbringen von Gerätschaften, einige wurden auch als Stall genutzt. Werden mehrere zusammen gebaut ersteht daraus ein Bauernhaus. Hier scheinen einige als Sommerhäuser wieder hergerichtet zu sein und es gibt auch die Möglichkeit sie als Hotelzimmer zu buchen.

Ursprünglich waren sie wie eine Trockenmauer ohne Mörtel errichtet, damit sollten sie steuerlich nicht als Haus gelten, weil man sie problemlos auseinander nehmen kann. Die Dachspitzen sind weiß gekalkt und die Dachflächen weisen manchmal Symbole auf. Alberobello ist dafür bekannt, die größte Ansammlung von Trullis in einer Siedlung zu besitzen. Es sind 2 Stadtviertel in denen sich nur Trullis befinden.

Es ist kein Freilichtmuseum, was man annehmen könnte. Hier leben Menschen, hier gibt es Läden, ausschließlich für den Tourismus zwar und die Sträßchen sind eine Fußgängerzone, die nur Anrainer befahren dürfen, falls sie sich hier durch drängen können. Die Einheimischen werden sich oft wie in einem Zoo vorkommen.

In diesem Baustil gibt es auch eine Kirche. Für uns war das alles viel zu hektisch, zu laut, und so waren wir froh unsere Räder dabei zu haben, um damit durch die Landschaft zu fahren. In den Olivenhainen stehen immer mal wieder neue wie auch alte Trullis, die einfach zum Landschaftsbild gehören, wie im Moment die Blühenden Obstbäume und die bunten Wiesen.

Ankunft in Alberobello

Von Manfredonia bis hier runter gibt sich die Landschaft sehr eben. Sie scheint aber sehr fruchtbar zu sein. Über all sieht man Gemüsefelder, kurz vor Bari sahen wir im flachen Wasser einer Lagune Flamingos und kurz darauf wurde in großem Stil Salz gewonnen.

Nach Bari entfernte sich unsere Route von der Küste. Es wurde hügeliger, es dominieren Olivenhaine und Obstplantagen in voller Blüte. Die „Gärten“ sind alle von niedrigen Steinmauern umgeben. Hier ist es schön, da bleiben wir sicher länger.

Der kleine Campingplatz Bosco Selva ist mit allem Notwendigem ausgerüstet, hat saubere Sanitäranlagen und freies WIFI über all auf dem Platz. Da ich gleich neben dem Wohnmobil eine verblühte Orchidee gesehen habe, bin ich am späten Nachmittag zu einer kurzen Exkursion aufgebrochen.

Nicht weit musste ich fahren, um in einem Olivenhain 5 verschiedene Orchideenarten in Blüte an zu treffen. Einige Trullis stehen auch hier außerhalb des Ortskerns, für die sie berühmt sind, die wollen wir uns morgen genauer ansehen.