Jena – letzte Etappe vor zu Hause

Der Wetterbericht sagt ziemlich kalte Nächte voraus und so haben wir beschlossen nach hause zurück zu kehren, aber zuvor galt es noch einen Besuch zu machen. Da wir auch sonst gerne in Jena vorbei schauen, war es für uns mehr Kür als Pflicht.

Jena besitzt einen netten Campingplatz beim Hallenbad und nah der Saale mit seinen Radwegen, auf denen man schnell in die Innenstadt kommt. Wer es bequemer möchte, benutzt die Straßenbahn oder den Bus. Der Campingplatz bietet alles, was man so braucht an und die Atmosphäre ist ausgesprochen idyllisch. Nahe des Campingplatzes steht dieser Chirotherium, der hier vor 250 Millionen Jahren zu Hause war.

Damit wären wir beim Thema: Jena ist eine Stadt der Wissenschaften. Viele bekannte Wissenschaftler haben hier studiert und gelehrt und auch heute gilt Jena als eine bevorzugte Universität für Studenten aus dem gesamten Bundesgebiet. So gibt es hier natürlich auch ein Studentenviertel.

Ein weiteres Merkmal ist, dass man über all in der Stadt Kunstwerke antrifft. Die Themen reichen von ehemaligen gekrönten Häuptern über Büsten von Wissenschaftlern bis zu moderner Kunst. Untern den Wissenschaftlern darf natürlich nicht Carl Zeiss nicht fehlen. Früher waren Teile der Firma direkt in der Innenstadt. Das hat sich seit der Wende jedoch geändert.

Wenn wir in Jena sind, gehört es zu unserem Pflichtprogramm über den Marktplatz zu schlendern mit der prunkvollen Statue des Begründers der Jenaer Universität, Johann Friedrich den Großmütigen. Da hinter liegt die Stadtkirche St. Michael, deren Renovierungsarbeiten nun endlich abgeschlossen sind.

Dieses mal haben wir auch mal wieder den botanischen Garten besucht mit seinen interessanten Schauhäusern, Gärten und dem Ginkgo, den J. W. von Goethe der Stadt vermacht hat.

Ja, wir sind heil zu Hause angekommen. Für dieses Jahr ist nichts weiteres geplant. Ich werde aber einige ältere Reisen in Bälde löschen, da der mir zur Verfügung stehende Platz zu Ende geht.

Plau am See

Das Wetter nimmt stark herbstliche Züge an und so suchten wir uns noch mal einen Komfort-Campingplatz aus und landeten in Plau am See.

Mangels Industrie nennt sich das 6000 Einwohner zählende Städtchen ein Luftkurort. Sie liegt am Beginn des Müritz-Elde-Kanals über den mal schnell die Elbe erreichen kann. Der Hafen an der Verbindungsstelle zwischen See und Kanal ist das touristische Zentrum und hier sind die meisten Investitionen sichtbar.

Hier lässt sich gut bummeln, durch die Boote ist auch auf dem Wasser viel los und von der Fischräucherei bis zum feinen Lokal: „fackelgarten“ ist alles zu finden. Vom letzteren stammen die Teller-Fotos: Lachs mit grünen Kartoffeln bzw. Rote Gnochis mit 2 verschiedenen Formen von Roter Beete. Nicht billig, aber das Preis-Leistungsverhältnis war mehr als gut, denn alles war aufwendig mit Rafinesse zubereitet.

Im Ort fallen erst mal die Straßen mit dem Kopfsteinpflaster auf, grausam! Die Hausfassaden in einheitlichem Stil sind meist renoviert und es gibt ein Geschäfte für das Wichtigste.

Bei unserem Besuch war die Hubbrücke über den Kanal gesperrt, was einige Umwege verursacht.

Güstrow – der Dom

Nachdem wir ihn gestern nur von etwas weiterweg gesehen haben und auf dem Campingplatz feststellen mussten, dass wir damit die berühmte Figur des Schwebenden im Dom übersehen haben, fuhren wir heute Vormittag noch mal hin.

Der Dom im Stil der Backsteingotik wurde zwischen 1226 und 1335 erbaut. Innen ist er reich ausgeschmückt mit Elementen der Romantik bis zur Renaissance. Während der Reformation wurde sie Hofkirche des Güstrower Fürstenhauses.

Im Altarraum befindet sich eine aufwendig gestaltete Ahnentafel, aus der auch die enge Verflechtung mit dem dänischen Königshaus deutlich wird.

Die Schwebende von Ernst Barlach schwebt über dem ehemaligen Taufbecken und erinnert an die Gefallenen des 1. Weltkriegs. Als entartete Kunst wurde sie von den Nazis eingeschmolzen und zu Munition verarbeitet. Nach dem Krieg fand man die Form und konnte die Figur erneut gießen.

In den letzten Tagen habe ich auch diese 2 Veteranen fotografieren können. Für Wessis ein paar Informationen: Der Barka B 1000, hier in der Ausführung als Mehrzweckfahrzeug. Gebaut wurde er von 1961 -1990, anfangs mit einem 1l/34 PS-Ottomotor und einer Nutzlast von 1 Tonne. Den Trabbi brauche ich ja nicht weiter vorzustellen. Hier in Metallic-Lackierung sieht er doch richtig schick aus, vielleicht mehr was zum Vorzeigen, als damit zu fahren.

So, jetzt bin ich wieder auf dem Laufenden, aber aufdem Campingplatz in Krakow gab es kein W-Lan.

Güstrow

Nach unserer gestrigen Tour wollten wir uns und die Fahrräder schonen und fuhren ins nahe Güstrow. Schon vor dem Ort war zum Atelier von Ernst Barlach ausgeschildert.

In einer Sonderausstellung wurden Reisebilder von Kokoschka und Barlach gezeigt, oft waren es nur schnelle Skizzen. Man konnte durchaus erkennen wie sie in späteren Bildern oder Plastiken weiter verwendet worden sind.

Im Atelier befinden sich dagegen nur Skulpturen von Barlach. Dort konnten wir auch einen Film über sein Leben ansehen. Erschreckend war für mich, dass selbst Ernst Barlach von den Nazis zu den entarteten Künstlern gezählt wurde und seine Werke auch aus Kirchen entfernt wurden.

Danach fuhren wir in die Stadt selber und spazierten zum Marktplatz, wo wir zu Mittag aßen. Die Kirchen sind beeindruckend mit ihren massiven Türmen, innen sind sie reich geschmückt obwohl es protestantische Gotteshäuser sind.

Außerhalb der Stadtmauern liegt die Gertrudenkapelle in einem kleinen Park. Im Grünen wie auch in der Kapelle befinden sich noch mal etliche Figuren von Ernst Barlach.

Schlossfassade

Später liefen wir am Dom vorbei und durch das Schloss, dass gerade eine Großbaustelle ist, um zu unserem Wohnmobil zurück zu gelangen. Den Nachmittag verbrachten wir auf dem Campingplatz mit Schreiben und Lesen

Krakow – Seeumrundung

Krakow hat selber nicht viel zu bieten. Das Beste ist noch der EDEKA. Der Campingplatz liegt sehr nett am See und die Sanitärgebäude sind in gutem Zustand, leider gibt es nur um die Rezeption Internet.

Den Tag der Deutschen Einheit nutzten wir, um mit den Fahrrädern den Krakower See zu umrunden.

Nebel-Durchbruchstal

Der Weg führt mal nahe am See mal über die nahen Hügel zwischen Feldern und Weiden hindurch. Zuerst war es noch eine wenig befahrene Landstraße, später ein gut asphaltierter reiner Fahrradweg. Dann mussten wir uns zwischen einer Hauptstraße und einem schmalen Pfad am See entlang entscheiden. Das war schon nicht einfach zu befahren. Ganz im Süden war der Weg wieder super und wir kamen an einem Seeadler-Beobachtungspunkt vorbei, leider ohne Adler.

Serrahn

Das letzte Stück nach Hause wollten wir wiederum nicht auf der vielbefahrenen Landstraße fahren und nahmen einen Fahrradweg, der und durch einen schönen Wald führte, zuerst grob gepflastert, dann in einen reine Sandpiste überging. Leider gab es immer wieder tiefe weiche Sandlöcher, die das Fahrradfahren gefährlich werden lies. So etwas dürfte eigentlich nicht in einer Fahrradkarte aufgeführt werden.

Glave

Die letzten Kilometer ging es auf einem gepflasterten Weg entlang der nicht mehr bedienten Eisenbahnstrecke nach Krakow. Hier gibt es immerhin ein Restaurant. Der Koch oder die Pächter scheinen aus Litauen zu kommen, denn sie hatten eine spezielle osteuropäische Karte von der wir zweierlei probierten.

Das Westufer der Müritz

Unsere Kompass-Fahrradkarte zeigt einen interessanten Weg entlang der Müritz, den wollten wir heute probieren. Zu Beginn fuhren wir auf guten Wegen durch stattliche Buchenwälder.

Danach kamen wir nach Klink. Dort gibt es eine Marina und ein weißer Sandstrand. Etwas weiter südlich befindet sich das Schloss-Hotel Klink.

In Sietorf befindet sich eine für die Gegend typische Kirche und an deren Fuß ein kleiner Hafen mit Gastronomie, vor allem einer Fischerhütte, wo man frischen bzw. geräucherten Fisch essen oder nur kaufen kann. Für uns gab es erst mal 2 Pott Kaffee.

Dann nahmen wir das letzte Stück bis Röbel in Angriff. Hier gibt es einige Stellen, die durch landwirtschaftliche Fahrzeuge sehr schwierig geworden sind. Dann haben wir aber die Silhouette von Röbel vor uns mit den beiden Kirchtürmen und der Windmühle.

Röbel

Am Hafen erkundigten wir uns nach einer Rückkehrmöglichkeit per Schiff. Erleichtert, dass alles klappt wie erhofft, gingen wir zu einem Italiener und wurden sehr gut versorgt. Matjesbrötchen sind ja gut, aber nicht täglich. Danach bummelten wir von der Altstadt zur Neustadt durch das 5000 Einwohner zählende Städtchen mit seinen zahlreichen bunten Häusern.

Etwa in der Mitte steht auf einem Hügel die Windmühle. Es steht aber nur noch die äußere Hülle. Im Innern befindet sich ein Kunstmuseum. Von einem Umlauf im ersten Stock hat man einen schönen Blick auf die Stadt.

Am Hafen gab es noch ein Brombeer/Holunder und Sahne/Kirsch-Eis. Dann kam auch schon unser Schiff. Nun ging es den Weg auf Seeseite zurück bis Waren. Dabei kam uns ein Schwesterschiff entgegen. Es war interessant die Orte nun vom See aus zu betrachten.

Waren – Mürizeum und Draisinenfahrt

Morgens ist es immer noch ein wenig frisch und so legten wir unseren Museumsbesuch auf den Vormittag. Das Müritzeum beinhaltet die Themen Wald und Wasser. Alles was man im Müritz Nationalpark sehen kann, aber vielleicht nicht bemerkt hat, findet man hier.

Vor allem haben es uns die großen Aquarien angetan. Daneben waren auch die kleineren mit den Schildkröten und Krebsen sehr interessant. Dazu gehört aber auch ein See direkt am Museum und das ältere Gebäude mit den naturkundlichen Sammlungen.

Im angeschlossenen Restaurant ließen wir uns nach dem Besuch Flammkuchen schmecken. Dann ging es weiter hinter den Güterbahnhof zum Draisinen-Bahnhof. Nach einer Einweisung ging es los, die Fahrzeuge Pedelec-Antrieb vorne weg, der Rest mit uns hinter her.

Vor uns fuhren 2 Frauen mit einem größeren Hund, dem es auf der Draisine überhaupt nicht gefiel und mehrmals während der Fahrt abstieg. Teils durch ursprünglichem Wald, dann quer über die Felder, aber immer von Büschen gesäumt, die öfters ins Lichtraumprofil hinein ragten und uns gehörig störten.

Nach gut 1,5 Stunden war der Wendepunkt erreicht. Nach einer kurzen Pause ging es zurück. Da die Strecke keine besonderen Blicke bot, war das Ganze etwas enttäuschend. Aber auf alle Fälle sind wir mal wieder richtig müde und werden bald in die Federn kriechen.

Waren – Stadtbummel

Waren liegt am Nordufer der Müritz und stellt mit seinen 22.000 Einwohnern das Zentrum der Region dar. Neben dem Tourismus ist für die Stadt der Propellerhersteller für Containerschiffe von großer Bedeutung.

Wir fuhren am Morgen auf dem ufernahen Fahrradweg bis zum Jachthafen. Dort verlassen etliche Ausflugsschiffe die Stadt und geben dem Ort einen weltoffenen Anstrich, wie auch fast alle Gebäude sehr ansehnlich ausschauen. Hier wurde von Seiten der Stadt und auch von privater Hand Geld in die Hand genommen, dass man sich hier wohl fühlt.

Die Fußgängerzone war sehr belebt und es befinden sich dort viele unterschiedliche Firmen, die mit ihrem Angebot die Menschen anlocken. Der Markt war auch gut bestückt und wenn man durch die Wohnviertel fährt, dann machen auch die einen guten Eindruck.

Wir haben uns nach dem Bahnhof und der Draisinenstrecke erkundigt und sind um den Tiefwarensee herum geradelt. Die Sonne kam heraus und es wurde angenehm warm, die wir später auf dem Campingplatz genossen haben.

Waren – Jabel

Gestern sollte vorerst der letzte Regentag sein und den nutzten wir, um eine neue Region zu erreichen. Auf dem Weg nach Waren besuchten wir Bollewick mit der größten Feldstein-Scheune Deutschlands.

Die Dimensionen sind schon beachtlich. Genutzt wird sie als ein Shop-in-Shop Laden mit angegliedertem Hotel, Gastronomie und Veranstaltungsraum. Die vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten zieht viele Personen an und einiges an Kunstgewerbe ist auch schön an zu sehen.

Nach dem Mittagessen fuhren wir weiter nach Waren, wo wir uns im Campingplatz Kamerun eintrugen. Der Name befremdet einen zuerst, die Anlage ist aber First-Class ohne den von uns gefürchtetem Entertainement. Die Sanitäranlagen sind einfach Spitze, dazu gibt es ein gutes Restaurant und einen Laden, der auch jetzt noch gut bestückt ist. Die Außenanlagen sind sehr gepflegt.

Heute schien am frühen Morgen gleich die Sonne, damit war klar, dass wir die Fahrräder auspacken. Der Campingplatz liegt direkt an einem wichtigen Fahrradweg, den wir in westliche Richtung folgten. Es ging entlang des Kölpin-Sees nach Damerow. Dort gibt es eine Wisent Aufzugstation. Wir kamen rechtzeitig zur Fütterung und bekamen einiges über die Tiere und die Arbeit vor Ort erzählt und die Tiere aus nächster Nähe zu sehen.

Rotwild

Schmusetiere sind es wahrlich nicht, auch die Wärter trauen sich nicht in die Gehege hinein. Dort befindet sich immer ein Bulle mit etwa 4 Kühen und Kälbern. In einem weiteren Gehege konnten wir Rotwild beobachten. Es war schön die Tiere in Ruhe beobachten zu können.

Weiter fuhren wir über Jabel nach Nossentien am Fleesensee. Die Landschaft ist leicht hügelig mit einem Wechsel von Feldern und Wald. Auf der Heimfahrt sahen wir eine Ringelnatter auf dem Asphalt liegen. Nein, nicht überfahren! Sie war nur erschrocken durch uns Radfahrer und wollte sich wohl auf dem warmen Asphalt wärmen. Wir konnten sie eine Weile beobachten bis es ihr ungemütlich wurde und in den nahen Wegrand verschwand.

Mirow

Was wir wohl bei Regen machen?, fragt ihr euch vielleicht. Ja, auch bei uns regnet es mal, immer Moment so ziemlich am Stück. Also, wir gönnen uns länger wie üblich in unseren kuschligen warmen Betten zu liegen. Gefrühstückt wird ebenso ohne Hetze, man hat ja plötzlich sooo viel Zeit.

Aber den ganzen Tag im Wohnmobil zu sitzen ist auch nichts, so werden die Wetterinformationen vom Smartphone ausgereizt. Tut sich eine Regenlücke auf, fahren wir einkaufen. Sonst konnte ich immer nicht schnell genug wieder draußen sein, jetzt nehme ich mir Zeit und schaue mir alles an, was ich sonst keinen Blick gewürdigt hatte, gekauft wird auch nicht mehr wie sonst, aber es ist trocken und warm.

Wenn wir schon mal unterwegs sind, dann schauen wir uns natürlich auch was an: Dieses Mal ist es das Schloss Müritz. Ziemlich im Ortskern liegt es auf einer Insel. Das Pförtnerhaus wird gerade renoviert und man kann schon erkennen wie es einmal der schmucke Eingang zur Insel bilden wird.

Die Insel gliedert sich in einen Schlosspark, den 2 Schlossgebäuden, einer Kirche und landwirtschaftlichen Gebäuden. Das Schloss wurde ab 1709 als ein Witwensitz im Barock- und Rokostil erbaut. Viele berühmte Personen besuchten bis 1769 das Schloss, das danach mehr und mehr in Vergessenheit geriet. Die beiden Weltkriege überstand das abgelegene Schloss fast ohne Schaden. In DDR-Zeiten wurde es als Altersheim genutzt. Nach der Wende begann das Land Mecklenburg-Vorpommern die Gebäude zu renovieren.

Interessant fanden wir bei unserer Besichtigung, dass an einigen Stellen der Zustand von 1990 belassen wurde, so kann man alt und neu gut miteinander vergleichen. Stilprägend sind natürlich die unterschiedlichen Stuckelemente. Gefallen haben uns vor allem die Draperien/Tapeten. An Hand schäbiger Rest wurden sie neu erstellt: gewoben, gestickt, gemalt.

Hofdame Gouvernante Oberhofmeister Hofprediger

Die Zimmer sind alle mit Kaminen ausgestattet, wenige Räume sind mit Möbeln bestückt, die aber den ursprünglichen Charakter der Räume nicht wiedergeben können. Lohnend war der Besuch auf alle Fälle. Nach einem guten Mittagessen im Ort begaben wir uns wieder auf unseren Campingplatz, igelten uns ein, hörten Musik, lasen oder gingen ins Internet.