Fontvielle

Nicht nur dass heftige Gewitter angekündigt waren, damit erfolgt auch ein unangenehmer Temperatursturz. Unsere Zeit da in der Nähe von Albi war eh abgelaufen, so dass wir uns eine wärmere Gegend ausgesucht haben, und die fanden wir in der Provence. Nach einer interessanten 5-stündigen Tour durch die südliche Teil des Massiv Central fuhren wir ständig der Sonne entgegen und es wurde ständig wärmer.

In Gignac legten wir eine Pause ein nachdem wir einen Parkplatz gegenüber einem Esel gefunden hatten, der einst die Bevölkerung der Stadt vor den Sarazenen gerettet hatte. In einer netten Galleterie genossen wir das Essen und entspannten uns. Danach bummelten wir noch über den Markt, der ausschließlich von Buchhändlern bestückt war.

Bei 28° kamen wir in Fontvielle (Alter Brunnen) an und bekamen einen der letzten Plätze. In Frankreich scheinen Ferienzeit zu sein. Hier ist echt was los und wir dachte, wir fänden etwas Ruhe auf dem Land. Ländlich ist hier nur die Internetverbindung, die nur innerhalb der Reception verfügbar ist.

Der Ort ist um und in einem alten Kalksteinbruch gebaut worden. Die hellgrauen Steine bestimmen das Ortsbild. Auffallend sind hier die vielen ehemaligen Mühlen, für die es einen eigenen Mühlenrundweg gibt. Hier waren unsere Fahrräder fehl am Platz und wir mussten große Teile schieben.

Gaillac encore une fois

Da gestern die Stadt voll mit Marktständen war und all dem Trubel darum herum, sind wir heute noch einmal hinein gefahren. Durch die Felder hindurch, die mal nach Kamille riechen oder Blau leuchten von den vielen Lupinen oder dem Lein. Sonderkulturen findet man immer wieder. In Brens an der Tarnbrücke war Markt zu dem wir später zurück kamen.

Bild von gestern

Auf einem der vielen Kreisverkehre steht ein für den Stadtnamen verantwortlicher Hahn (s. o.). Heute wesentlich ruhiger umfahren wie gestern. Aus dem Marktplatz war ein schöner von Platanen beschatteter Platz geworden. An einer Längsseite war etwas Autoverkehr erlaubt, sonst war der Platz den Gaillac-Bewohnern vorbehalten.

Wir suchten Ecken aus, die wir gestern nicht aufsuchen konnten, wie der Platz vor dem Rathaus. Der hatte eigentlich mehr verdient als mit Autos vollgestellt zu sein. Da kein Markt mehr unsere Aufmerksamkeit auf sich zog, merkten wir, dass doch viele Häuser einer „Aufhübschung“ bedürfen. Und nach Beendigung unserer Runde fuhren wir nach Brens zurück.

Der Markt war klein, hatte aber einen tollen Bäcker und so etwas wie eine Garküche. Für uns hob die Verkäuferin die Deckel und wir suchten unser Mittagessen zusammen. Gudrun einen Fleischspieß mit Reis und grünen Bohnen und ich nahm ein Stück Schaffleisch mit Kartoffeln und Süßkartoffeln, die gut zusammen schmeckten.

Gaillac

Für heute hatten wir uns vorgenommen den Tarn abwärts nach Gaillac zu fahren. An Wiesen und Feldern über kleine Landstraßen erreichten wir bald Brens. Ein Café auf einem kleinen Platz kurz vor der Tarnbrücke war uns einen Stopp wert.

Gaillac ist ein kleines Städtchen, das wie Albi von der Backstein-Architektur geprägt ist, dem hier günstigsten Baustoff. Vor allem die älteren Gebäude sind nicht verputzt, so dass das schöne Rot der Ziegel das Aussehen der Gebäude bestimmt.

Weintrinkern wird der Name Gaillac bekannt sein. Was wir probiert haben, waren alles kräftige Weine mit einem relativ hohem Alkoholgehalt. 14% sind hier die Regel. Im Klosterhof gibt es eine Weinverkostung mit Verkauf, in der viele der umliegenden Winzer vertreten sind und die Preise schienen mir moderat, während selbst auf dem Campingplatz keine Flasche unter 10 € angeboten wird.

Mit etwas Dusel erwischten wir den Markttag. Über mehrere Plätze und Gassen erstreckte sich ein reichhaltiger Markt. Nicht nur das Übliche wie Obst und Gemüse, Fleisch- und Brotwaren, sondern auch Austern, Kleidung, Haushaltswaren und Bücher … waren zu haben. Dazu eine französische Eigenheit: Ob im Supermarkt oder hier auf dem Wochenmarkt findet man immer ein reichhaltiges Angebot an Comics. Da scheinen die Lesegewohnheiten doch anders wie in Deutschland zu sein.

Eigentlich hätten wir uns nun gerne in eines der Restaurants auf das Trottoire gesetzt und gemütlich zu Mittag gegessen. Aber der Wetterbericht sagte ab Mittag heftige Gewitter voraus. Es sah noch nicht danach aus, aber was kann in einer halben Stunde Fahrt über die Felder nicht alles passieren. – Es passierte nichts und das Regenrisiko fiel plötzlich auf 2%. Wenn ich den Zuständigen zu fassen bekomme. Was lernen wir daraus?, nicht alles glauben, was das Internet erzählt.

Albi

Schon bei der Planung dieser Reise war es uns klar, dass wir noch einmal nach Albi wollen. Ein kleines Problem stellte der Weg dort hin dar, da es keinen ausgeschilderten Fahrradweg gibt. Dank der App Komoot, erhielten wir einen ungefähr 15 km weiten Vorschlag, dem wir heute Morgen folgten.

Albi liegt am Tarn, der aus dem Massif Central kommt und über viele Kilometer eine Aufsehen erregende Schlucht bildet. Albi liegt schon in der Ebene und wird deswegen leicht links liegen gelassen. Hoch über dem Tarn verbunden durch etliche spektakuläre Brücken für Straßen und Eisenbahn, liegt das Centrum wirklich spektakulär auf einem Felssporn 180° vom Tarn umrundet.

Die fast 50 Tausend Einwohner zählende Stadt wurde bereits von den Römern gegründet und war im Mittelalter ein Zentrum der Katharer. In der Auseinandersetzung mit dem französischen König und dem Papst wurde die Stadt (1209-1229) fast vollständig zerstört. Zehn Jahre später wurde der Bau der Kathedrale St. Cäcilia begonnen und etwa 100 Jahre später weitgehend beendet. Auf Grund der Kriege gegen die Katharer, wurde sie wie eine Wehrkirche konzipiert.

Die Mauern sind bis zu 6 m dick und schaffen so den größten Backsteinbau auf Erden. Der Innenraum ist dagegen prachtvoll in Blau- und Goldtönen gestaltet. Neben Figuren bilden die Fresken mit ihren räumlich dargestellten Personen und Landschaften einen Höhepunkt.

Direkt neben der Kathedrale befindet sich das Toulouse-Lautrec- Museum. Sein Geburtsschloss befindet sich nur wenige Kilometer außerhalb der Stadt. Heute haben wir uns für ersteres etwas Zeit genommen und haben uns einen Überblick über sein Werk verschafft.

Danach folgte ein Stadtbummel, bei dem wir viele nette Gassen und Plätze durchstreiften. Interessante Läden und Gaststätten finden sich über all. Nach den vielen Eindrücken machten wir uns dann wieder auf die Rückfahrt, wobei uns unser App geschickt aus der Stadt hinaus führte.

Mazamet

Die Wolken mit den heftigen Niederschlägen haben sich verzogen. Nach einer etwas frischen Nacht kam die Sonne heraus und wir machten uns auf den Weg die letzten Kilometer des Passa Païs bis Mazamet. Und für mich ist es hoffentlich das letzte Mal, dass ich den Buchstaben „i“ mit Doppelpunkt suchen musste.

Der Weg war noch etwas weich von dem vielen Regen, was sich aber im Laufe des Vormittags gab. Die Strecke von Saint Amans nach Mazamet ist unspektukulär. Ein paar Brücken unter denen nun viel Wasser rauscht, einige Überquerungen von Nebenstraßen und natürlich die neue Unterführung unter der Hauptstraße, die mehr durch ihre Gestaltung als durch die Schwierigkeit der Passage auffällt.

Der Fahrradweg endet, auch für uns, am Bahnhof, von hier suchten wir das Zentrum, das etwas abseits schon fast in einem Seitental liegt. Der Ort scheint von einiger Größe zu sein, was sich aber nicht in seinem Zentrum widerspiegelt. Immerhin fanden wir einige Marktstände, wo wir unsere Bestände auffrischten. Nach vergleichen des mittäglichen etwas spärlichem Angebots, blieben wir unter Bäumen vor der Kirche und stärkten uns.

Am Ortsrand war uns ein großer Leclerc-Supermarkt aufgefallen, den suchten wir nun auf, um das was noch fehlt einzukaufen. Hier hatten wir das Gefühl in einer großen Stadt zu sein, das Angebot war toll.

Nun ging es zurück zum Campingplatz. Hier noch ein letztes Fresko, das auf der Rückseite eines Buswartehäuschen gemalt wurde. Diese haben uns nun auf viele Kilometer begleitet.

Endlich können wir die Campingstühle wieder heraus holen. Das Ziel für morgen liegt schon fest und ich hoffe auf weitere schöne Erlebnisse und Bilder, seid gespannt.

Regen in St. Amans-Soult

Nachdem es heute Nacht mehrmals heftig geregnet hat, ist ab 15 Uhr wieder trockenes Wetter angesagt. Also lassen wir den Tag gemütlich angehen. Wenn der Regen mal eine Pause macht, wird gespült oder aufs Klo gegangen. Gudrun spielt ein Schiebespiel und ich habe gelesen, in You-Tube einen Film angeschaut und schreibe den Blog.

Heute Mittag gibt es Spagetti, 1. Mai, da bekommt man ohne Reservierung keinen Platz. Ja, und dann werden wir wohl wieder auf die Velos steigen. Der Radweg ist hart und mit feinen Splitt abgestreut, ideal zum Fahren. Wie man an dem Bild sieht man, dass wir mitten in den Bergen sind.

Da einige Leser die Orientierung für unsere Reise verloren haben, hier mal eine Karte von Südfrankreich. An dem roten Kreuz befinden wir uns im Moment. Das ist ziemlich genau nördlich von Pamiers.

Nun habe ich noch Platz für ein paar Bilder. Zuerst 2 unterschiedliche weiße Orchideen. Dann sind wir in den letzten Tagen noch an 2 schönen Grafitis/Fresken vorbei gekommen. Der Steinbock befindet sich auf der Rückseite einer Bushaltestelle und das Rotkehlchen an der Vorderseite einer Bank.

Col de la Fenille

Nachdem die gestrige Tour so interessant war und wir weitere Kilometer unseren Sitzmuskeln zutrauten, fuhren wir heute Morgen von St. Pons in westliche Richtung. Die Karte zeigte uns, das wir jetzt über einen Pass müssen. Zum Glück gibt es dort einen 800m langen Scheiteltunnel.

Gleich am Bahnhof von St. Pons fiel uns der alte Wasserturm auf, der von einem Künstler mit fröhlichen Motiven bemalt worden war. Diesen Künstler, bessergesagt, seinen Werken begegneten wir noch mehrmals auf unserer Tour. An einer Unterführung scheuchten wir erst mal eine Schlange auf, die es sich auf einem warmen Stein gemütlich gemacht hatte.

Auf dem weiteren Weg durchfuhren wir mehrere Tunnel, meist gut beleuchtet, nur der längste lag total im Dunkeln. Mit unserer Fahrradbeleuchtung war das kein Problem, denn der Belag war einwandfrei, nur war die Decke an einigen Stellen undicht und wir konnten das Grundwasser auf seine Temperatur prüfen. Uns kamen aber auch Familien mit Kindern entgegen. Deren Fahrräder brauchen ja keine Beleuchtung(?). Die standen vor einem kleinen Abenteuer.

Als besondere Blume fanden wir in großen Gruppen die Hasenglöckchen, ein Hyazintengewächs. Kurz drauf durchfuhren wir eine Unterführung, die von dem schon erwähnten Künstler einschließlich der sehr hohen Decke bemalt war. Hier blieben wir längere Zeit und machten uns gegenseitig auf die unterschiedlichsten Motive aufmerksam.

Auf der westlichen Seite des Tunnels lässt die Auszeichnung von Herbergen, Restaurants und ähnlichem ziemlich zu wünschen übrig. Nach längerer Suche fanden wir Lorenzo aus Sizilien, der ist eine gewaltig gute Pizza servierte, nichts französisches, italienische Pizza und die war gut und wird den Großteil unseres heutigen Abendbrotes abdecken.

Per Zufall habe ich mir heute einen meiner Beiträge auf dem Smartphone angesehen. Traurig, was da übrig bleibt, aber auf dem Smartphone Bildschirm ist ja nicht viel Platz. Bitte an alle, die sich für unsere Reise interessieren, verfolgt unsere Reise auf dem Laptop, PC oder wenigstens auf dem Tablett.

Drunter und drüber

Erst eine kleine Nebensache, ich trage zum ersten Mal in diesem Jahr T-Shirt und Shorts. So schönes Wetter mussten wir natürlich ausnutzen. Ganz bewusst hatten wir uns einen Campingplatz in St. Pons de Thomières ausgesucht, denn der liegt an der Passa Païs, einer Voie Verte, die von Mazamet über 80 km auf einer still gelegten Schmalspurtrasse nach Bédarieux führt. Insgesamt entlang von 4 Flüssen, die durch 2 moderate Pässe voneinander getrennt sind.

Der Titel drunter und drüber kam uns wegen der vielen Brücken über die wir fuhren bzw. die uns überquerten. Außerdem gibt es auf unserem heutigen Stück noch 2 Tunnel. Purer Luxus, denn beim Einfahren schaltete sich automatisch die Deckenbeleuchtung an, so dass auch Fußgänger die Tunnel sicher benutzen können.

Bei der kuriosen Brücke habe ich mein Fahrrad an den Randstreifen geschoben und als ich mein Fahrrad besteigen wollte, hatte das Hinterrad keine Luft mehr. Mit einem neuen Schlauch ging es etwas später weiter. Wir erreichten den Bahnhof St. Etienne d`Albagnan. Äußerlich gab er nicht viel her, aber innen überzeugte eine geschmackvolle Einrichtung und gutes Essen.

Gut gestärkt setzten wir unsere Tour bis kurz hinter Olargues fort. Auf der Rückfahrt machten wir in dem Ort nur eine Kaffeepause und wissen nun auch was Müffins sind, nichts anderes als „Maffins“ oder wie der Amerikaner sie schreibt: Muffins.

Noch mal einen Blick auf die Landschaft und den Fahrradweg, der sehr beliebt bei Familien ist. Auch Kinder mit den kleinsten Kinderrädern sind keine Seltenheit. Auch habe ich wieder viele Pflanzen fotografiert, die leider hier einfach keinen Platz mehr haben. Habt Geduld, bis mein Urlaubsfilm fertig ist. Da ich selten eine Rückmeldung bekomme, bin ich mir auch nicht sicher, welche Motive ich hier zeigen soll.

Caunette

Heute haben wir die große Ebene um Narbonne verlassen. Auf einer hübschen Nebenstraße gelangten wir an den Rand der Montagne Noire. Hier war es zu einem mittelalterlichen Städtchen namens Caunette an der Cesse ausgezeichnet. Der Zugang erfolgt über eine sehr enge Brücke, die wir nicht nahmen, da wir auch nicht erkennen konnten, ob es auf der anderen Seite einen Parkplatz für unser Wohnmobil gibt.

An der Durchgangsstraße war ein größerer Parkplatz angelegt, den wir anfuhren und ein Weg führte uns zum Fluß. Dort gibt es eine Furt, im Sommer ist die Cesse wohl trocken, aber heute mussten wir Schuhe uns Socken ausziehen so wie die Hosenbeine hoch krempeln. (Ja, wir hätten auch bis zur Brücke laufen können, aber wo bleibt dann der Spaß?)

Auf der anderen Seite begrüßte uns ein kleiner Ort mit teilweise sehr alten Häusern, andere dagegen wurden oder werden restauriert. Wir fanden auf unserem kurzen Rundgang ein Restaurant, Café mit Bar, eine Epicerie, Poststelle und Rathaus, also war das Wichtigste vorhanden.

Wir mussten dann die Montagne Noire überqueren und kurvten uns hinauf auf 634m. Hier hatten viele Bäume noch keine Blätter, es war noch Frühling und auf einer Wiese fand ich die so erhofften Orchideen.

Hinweis in eigener Sache: Wegen Internetloch habe ich den Bericht von Capestang zurück datieren müssen und den heutigen Bericht hatte ich zuerst unter einem falschen Ortsnamen veröffentlicht.

Capestang

Das Wetter war schön und los ging es nach Capestang. Dort wollten wir schon mal von der anderen Richtung hin, aber der schlecht ausgebaute Radweg lies uns umkehren. Heute waren wir mit dem Weg zufrieden, anfangs, dann kam eine Baustelle und dann ein Stück, kaum breiter wie ein Reifen, aber auch das ging vorbei.

Schon bald sahen wir den hohen Kirchturm von Capestang und wir mussten dem Kanal noch einige Schleifen folgen bis wir wirklich dort waren. Ein kleiner Hafen begrüßte uns, aber uns zog es in den alten Ortskern. Direkt unterhalb der Kirche befindet sich ein gemütlicher Platz mit verschiedenen Lokalitäten.

Gesättigt versuchten wir unser Glück mit der App Komot, um einen direkteren Weg zurück zu finden, denn wir hatten noch eine Bootstour gebucht und die App ersparte uns etliche Kilometer. In Somail angekommen hatten wir noch Zeit für einen Kaffee Gourmand bis uns dann ein Holländer mit seinem Boot eine Stunde auf dem Kanal spazieren fuhr und etliches zur Geschichte des Kanals erklärte.

Ein Tipp von ihm wies auf einen Antiquitätenladen direkt gegenüber seiner Anlegestelle hin. Wir hatten ihn bisher glatt übersehen. Was sollten wir auch in einem französischem Buchladen. So kann man sich täuschen. Der Eindruck ist einfach überwältigend. Ich hoffe die Bilder geben einen kleinen Eindruck dessen wieder, was wir dort erlebten.