Mandelieu la Napoule

Sicher könnt ihr euch mehr unter dem Namen Cannes vorstellen, aber unser Campingplatz liegt nun mal in einem östlichen Vorort, aber direkt an einem Flüsschen, dass man zur Marina von Cannes ausgebaut hat. Im ersten Augenblick war es ein Schock für uns, so viel Verkehr, so viele Menschen, und der Flughafen von Cannes liegt auch nahe dran.

Für Flugzeugliebhaber ideal, man kann den ganzen Tag Flugzeuge beobachten. Der Campingplatz Les Cigales ist sehr gut ausgestattet, deswegen wird er auch gern angefahren. Um 10 Uhr am Morgen konnten wir den letzten ACSII-Platz erobern. Das sind die billigen Plätze an der Hauptstraße des Campingplatzes, dafür zahlen wir auch nur 24,60€/Tag, für die besseren Plätze muss man jetzt schon 43,00€ hinlegen.

Eingekauft hatten wir beim Monoprix. Da waren wir bis jetzt noch nicht. Unschlüssig standen wir in einem Einkaufszentrum, bis uns eine Verkäuferin uns darauf hinwies, dass man durch die Textilabteilung zu den Lebensmitteln kommt. Hier waren wir dann mit dem Angebot zufrieden und nahmen für heute Mittag 2 große Stücke Quiche von unterschiedlicher Rezeptur zum Mittagessen ins Wohnmobil mit. Hier kurz aufgebacken schmeckten sie sehr gut.

Nach einer Mittagspause spazierten wir los, kamen aber nur bis zum nahen Boule-au-Drôme und schauten ein wenig zu. Den weiteren Spaziergang brachen wir bald ab, wir sind die viele Sonne nicht gewöhnt. Es ist endlich Sommer. Danke Doris & Heinz für den Campingplatztip.

Radtour nach Draguignan

Nach unseren Informationen sollte der Radweg nach Draguignan neben einer Bahntrasse verlaufen. So fuhren wir, nachdem der Regen gegen Mittag endlich aufgehört hatte erst mal dort hin, um von dort dem Gefühl nach folgend, einen Kreisverkehr und dabei eine imposante Figur erspähten.

Der Palaver-Baum. Den Stamm bildet ein Krokodil, die Krone eine Schildkröte. Von hier aus ist der Fahrradweg (La Vigne à Velo en Dracénie) gut ausgeschildert. Die ersten Kilometer verläuft er mal rechts mal links der Bahnlinie. Die Seiten werden immer in einem Tunnel gewechselt, der mal mehrspurig, oft auch einspurig ausgeführt ist. Dort muss man auf Rennradfahrer aufpassen.

Heute nach dem Regen trafen wir viele Wanderer, Familien mit Kindern, Spielzeug und frei laufenden Hunden an. Im zweiten Teil gibt es einige steile Steigungen und Abfahrten, so dass uns die Strecke recht anspruchsvoll vorkam.

Nach etwa 10 km erreichten wir Draguinan und bogen ins Zentrum ab. Hier standen wir dann plötzlich vor dem alten Barock-Rathaus und hinter uns ragte ein typischer Glockenturm zwischen den Häusern hervor.

Besonderes Interesse und ein extra Spaziergang nötigten uns die Cascaden ab. Die Naturbie, wie das Flüsschen heißt, kam uns heute recht harmlos vor. Die Ruinen auf den Felsen über den Cascaden erinnern daran, dass hier mehrere Mühlen standen. Tief hat sich das Wasser ins Gestein eingefressen. Es muss ein faszinierendes Schauspiel sein bei Hochwasser auf den Brücken das Wasser zu beobachten.

Fahrt nach Les Arcs

Endlich fühlte ich mich wieder so gut, dass wir uns die Weiterfahrt quer durch die Voralpen zugetraut haben.

Dazu möchte ich noch erzählen, dass die hier abgebildete Osterluzei der Übeltäter für meine fast 6 tätige Auszeit ist. Dank meiner Schwester, die mir den Namen und die Giftigkeit der Pflanze mitgeteilt hat, danach hat es aber immer noch gedauert, bis ich zur Erkenntnis kam, dass ich beim Abreißen der Pflanze überrascht von dem vielen Saft war, der mir über die Finger lief. Irgend wie muss mir davon ein wenig an die Lippen gekommen sein.

Also bitte, wenn man etwas nicht sicher kennt, nur fotografieren! Meine Vergiftung war heftig und ich konnte 5 Tage so gut wie nicht zu mit nehmen.

In den Tälern die wir durchfuhren wird viel Obst und Gemüse angeboten. An den Straßen findet man immer wieder große Stände, die zudem Produkte der Region anbieten. Heute befand sich da auch ein Imbiss mit 2 Plat-du-Jour (Tagesessen) für je 8 €. Wir nahmen Hackfleisch im Rindermantel mit viel Gemüse und etwas Tagliatelle. Das war so gut.

Nachdem unser letzter Campingplatz fast ausgebucht war, sind wir hier zu viert. Alles ist bestens eingerichtet, das W-Lan frei und am Platz zu empfangen. Nach einer kurzen Pause meinte der Wettergott, wir sollten wenigstens mal ins Städtchen fahren. 2 km leicht bergauf, am Bahnhof vorbei erreichten wir einen großen Platz mit etlichen Lokalen drum herum, zentral das Rathaus.

Zeit für ein typisches französisches Getränk. Menthe-a-l´eau oder für mich Grenadine-à-l´eau. Das stillt den Durst, da man zum entsprechendem Sirup meist eine Karaffe Wasser erhält. Kinder werden es mögen, Erwachsene gießen das Wasser vorsichtig über den Sirup, ohne danach zu rühren. Das ist sehr preiswert, wenn man nicht statt der Karaffe Wasser sich eine Flasche Vittel bringen lässt. Übrigens kann man fast immer das Leitungswasser gut trinken.

Von hier aus hat man auch einen guten Blick auf die Altstadt (s. Titelbild). Nein, heraus geputzt ist sie nicht, eher sehr authentisch. Inder Kirche machten wir dann doch eine besondere Entdeckung: In einer Kapellennische steht eine etwa 3-4 m große Krippenszene, deren Teile sich für 1 € zum Teil in Bewegung setzen. Es an die hundert Figuren sein, in einheimischen Trachten, die hiesigen Berufe zeigend, selbst eine Eisenbahn dreht eine Runde. Ob das in eine Kirche gehört, mag jeder für sich entscheiden.

Arztbesuch

Das ist so etwas, was man für den Urlaub nicht einplant und hofft, dass alles gut geht. Bei mir war es wohl der Belag einer Pizza, der mir seit 5 Tagen erhebliche Probleme bereitet. Alle Hausmittel haben nicht geholfen und mein Kreislauf ging immer mehr den Bach hinunter. Also ging Gudrun zur Campingplatz-Reception.

Man kümmerte sich gleich, um Arzt und Termin, den wir dann nicht brauchten, den Termin. Ein Taxi brachte uns vor die Haustüre der Praxis. Die Tür stand offen und eine Frau wartete auf dem Gang, sie erklärte uns wir sollten Klingeln und im Wartezimmer warten. Es war sehr einfach eingerichtet. Masken tragen war nicht nötig.

Bald wurden wir vom Doktor persönlich ins Sprechzimmer gebeten. Mein bisschen Französisch reichte aus, um ihm mein Problem zu erklären. Ich bin sicher, dass er auch genug Englisch beherrscht, um sich verständlich zu machen. Einige Untersuchungen, die er durchführte, ließen ihn darauf schließen, dass wohl der Übeltäter die Pizza war und gab uns ein Medikament mit.

Dann entschuldigte er sich, dass es in Frankreich üblich ist, dass man den Arzt direkt bezahlt und stellte uns eine Rechnung über 25 € aus. Dann erklärte er uns noch, wo die nächste Apotheke ist und wir waren entlassen. Zu dem Arzt würde ich jeder Zeit wieder gehen, auch wenn die Ausstattung nicht die modernste war. Keine Sprechstundenhilfe zu sehen war, wohl auch nicht existiert.

Wir jammern über die hohen Krankenkassegebühren, dabei liegt vieles an unserem Anspruchsniveau. Vielleicht auch gefördert von der Industrie und den Ärzteverbänden. Denn es geht ja auch hier wie überall ums Geld, weniger um den Patienten. Der Arztbesuch hat uns gezeigt, dass man meine Angst vor einem Arztbesuch in Frankreich haben muss. Hier wird einem kompetent und unbürokratisch geholfen.

Veloroute du Cavalon

Die eigentliche Strecke führt auf einer ehemaligen Eisenbahntrasse über 47 km von Cavalon nach St. Martin de Castillon. Parallel gibt es noch eine ausgeschilderte Strecke auf Nebenstraßen, die ab St. Martin noch weiter führt, aber einige Steigungen aufweist.

Gestern wollten wir von Apt aus in westliche Richtung fahren. Die ersten Kilometer ging es noch entlang von Firmengeländen, aber dann wurde die Strecke schön mit mehreren Viadukten und Einschnitten.

Lacoste

Wir kamen bis zur Pont Julien, einer römischen Brücke, die man mit den Fahrräder befahren kann. Hier sagte mir mein Kreislauf, dass wir umkehren sollten. Etwas wackelig auf dem Sattel erreichte ich den Campingplatz. Seitdem hänge ich hier rum und hoffe, dass mein Magen und Darm sich wieder beruhigen.

In Apt umgezogen

Oft reicht uns der Komfort, den ein Camping municipal anbietet. Wir mussten aber waschen und bei der Wettervorhersage mit Regenschauer am Nachmittag, kommt einem ein Wäschetrockner sehr gelegen. Außerdem war das W-Lan ziemlich mies, vor allem, wenn man sich abends einen Film aus einer Mediathek ansehen möchte. Es nervt, wenn der Rechner immer wieder stockt und mühsam die nächsten 15 Sekunden hoch lädt.

Zum Glück mussten wir nicht weit, nur von Apt etwas den Hang hoch, liegt in einem Wäldchen dieser nette Campingplatz, der alles hat, was wir uns erträumen inklusiv einem 26° warmen Pool. Alles ist sauber und in gutem Zustand. Bei den Toiletten jeweils für Ladys und Gentlemen gibt es sogar Seife am Waschbecken. Da musste ich doch schmunzeln, diese Seifenspender gab es auch vor 50 Jahren und scheinen nichts an Beliebtheit eingebüßt zu haben.

Gestern war ich noch dem Regen noch kurz in der Altstadt, um nach Graffitis zu suchen. Wie ihr seht, fand ich welche. Die Bilder halten zwar nur eine Weile, sind doch überfällig, wenn sich um Corona drehen. Überrascht es eigentlich, dass man sich auch hier nicht einig ist, wer das Virus ist.

an beachte den Glockenturm!

Voie verte du Cavalon

Ab 15 Uhr soll es heute regnen (es regnete schon ab 14 Uhr), also zügig auf die Räder. Die alte Eisenbahnstrecke führt ja direkt am Campingplatz vorbei. So war der Start recht einfach. Die Piste durchgehend asphaltiert und nach Forcalquier ausgeschildert. Das wären 42 Straßenkilometer.

Die ersten Kilometer kreuzten viele Zubringer den Fahrradweg, wo wir jedes Mal die Vorfahrt beachten mussten, was nicht sehr fahrradfreundlich ist, wenn man bedenkt, dass der Weg beliebt ist und sicher weit mehr Fahrräder wie Autos, die den Weg kreuzen wollen, unterwegs sind. Später führte der Weg direkt am Fluss Cavalon entlang und bot schöne Aussichten.

Nach etwa 10 km endet die Eisenbahntrasse und wir wurden über asphaltierte Feldwege entlang Lavendel- und Melonenfeldern das Tal hinauf geführt. Hier sind ein paar Steigungen zu überwinden. In den Gärten blühen immer noch die Schwertlilien und am Straßenrand unter anderem Orchideen .

Céreste

In Céreste legten wir einen Stopp mit einem Café alongée (verlängerter Kaffee) ein. Wegen eines süßem Teilchen wurden wir an den nahen Bäcker verwiesen, der herrliche Mandelteilchen im Angebot hatte. Den Wetterbericht im Hinterkopf machten wir uns von hier auf den Rückweg und schon bald verspürten wir die ersten Tropfen.

Aber nun ging es für uns das Tal hinab. Schon bald wurden die Tropfen seltener, um dann ganz auf zu hören. Zurück in Apt schien die Sonne wieder und wir suchten uns ein Lokal in der Altstadt. Hier wurde und Aioli á la Maison angeboten. Aioli ist eine Olivenöl-Knoblauch-Soße, die Beilagen waren Fisch und diverse Gemüse, ein Gedicht. Endlich stimmte das Verhältnis von Fleisch und Gemüse. Mit dem Bezahlen fing es dann auch in Apt an zu regnen und wir sputeten uns ins Wohnmobil zu kommen.

Apt Ankunft

Heute Morgen ging es also weiter. Nach nur 5 km machten wir einen kurzen Stopp bei der Kapelle St. Gabriel. Sie steht in mitten eines Olivenhaines. Erbaut wurde sie im 12. Jahrhundert, als sich hier eine größere Straßenkreuzung befand. Eine Kreuzung gibt es noch und an ihr ein kleines Restaurant. Früher war hier zudem ein großer Sumpf, der mit Hilfe einer Fähre überquert werden musste. Das machte die Fährleute reich, die auch die Kapelle erbauen ließen.

Gegen Mittag kamen wir am Camping Municipal in Apt an. Sie bildet mit etwa 10.000 Einwohnern das Herz des Luberon. Von hier ist es nur ein kurzer Spaziergang in die Altstadt. Hier warten schattige Gassen mit vielfältigen Geschäften (Comicladen und Frisör habe ich gleich ausprobiert) und Plätze mit hübschen Brunnen auf einen.

Hier ist man auch im Zentrum des Lavendelanbaus, was man überall an den Duftsäckchen, Parfum und Seife sieht. Auch gibt es eine Keramikindustrie und beliebt sieht die kandierten Früchte. Wir haben uns ohne genaues Ziel durch die Gassen treiben lassen und schauten mal da, mal dort hinein.

Direkt am Campingplatz führt die Veloroute vorbei, die wir in den nächsten Tagen befahren wollen, so weit das Wetter mitmacht.

Draisinenfahrt

Von Fontvielle führt eine ehemalige Eisenbahnstrecke ins nahe Arles. Früher wurden hauptsächlich Kalksteine und landwirtschaftliche Güter transportiert. Vor 3 Jahren hat man die Strecke neu belebt als Velorail-des-Alpilles. Vom Bahnhof Fontvielle führt sie etwa 5 km in Richtung Arles, wo man mit Blick auf das Kloster Montmajour (s. Foto) kehrt macht.

Einige Bahnübergänge müssen miteinander überquert werden, sonst gibt es keine Schwierigkeiten. Die Strecke führt durch Getreide- und Melonenfeldern ist ist ziemlich eben. Schneller wie erhofft waren wir wieder zurück.

Im Ort gab es noch als Belohnung ein Eis und bei einem Bäcker konnten wir uns mit einem Pain de Campagne eindecken. Da hier mal wieder der Mistral durch alle Ritzen pfeift, werden wir uns morgen einen anderen Platz suchen.

Les Baux de Provence

Die Mittelmeerebene wird im Norden von den Alpillen begrenzt. Die bis 300 m hohen teils schroffem Kalksteinberge sind zu einem Naturpark erklärt worden. In ihrem Zentrum auf einem Kalksteinplatteau liegt der Ort Les Baux de Provence, zu dem wir heute gefahren sind. Einen ersten Stopp legten wir an einem römischen Aquadukt ein, der unseren Weg kreuzte.

Ab Paradou ging es dann den Berg hinauf. Hier waren wir mit vielen Rennrädern unterwegs, aber auch andere E-Bike-Fahrer wie wir trauten uns da hinauf. Der Blick auf die Felsen wurde dabei immer grandioser. Nachdem wir bei 12 m über NN angefangen hatten, liegt der Ort bei 311 m. Seit der Jungsteinzeit wird der Ort durchgehend bewohnt, wenn es auch heute kaum mehr als 300 Bewohner sind. Eine Besichtigung der Schlossruine schenkten wir uns, da wir einen Hinweis zu den Carrières de Lumieres sahen.

Hier hat man einen unterirdischen Steinbruch begehbar gemacht und alle Wände durch Projektoren angestrahlt. Hier läuft eine Bildershow über verschiedene Holländische Maler, bei der die Originalbilder bis zu 10 m hoch an die Wände projiziert werden. Dabei wechseln sich Bilder der Totalen mit Detailaufnahmen ab und dazu wird alles noch in Bewegung gesetzt. Der Eindruck war phänomenal, wenn mir auch nicht alle Effekte gefallen haben.

Bis zur Passhöhe war es nun nicht mehr weit und dann hatten wir eine lange Abfahrt vor uns. Wir fuhren weiter nach Norden und umrundeten so einen Teil der Alpillen.