Eisenbahnepochen

Ich erinnere mich daran, dass im Roco-Katalog bei den Lokomotiven dabei stand, in welcher Epoche sie gelaufen sind. Dabei fiel mir auf, dass jede Epoche seine Erkennungsmerkmale besitzt, wie erwähnt bestimmte Lokomotiv-Typen, Wagen, Häuser, Autos, Kleidermode bei den Personen. Natürlich verwischt sich das über einem Zeitraum, aber wer auf seiner Modelleisenbahnanlage eine Ferkeltaxe neben einem Porsche Carrera stehen hat, muss damit rechnen, dass das auffällt.

Jetzt mal kurz eine Übersicht über die Epochen über die man sich geeinigt hat (Ich halte mich dabei an eine Aufstellung, die ich bei wikipedia gefunden habe.):

  • Epoche I bis etwa 1925
  • Epoche II von 1920 bis 1950
  • Epoche III von 1945 bis 1970
  • Epoche IV von 1965 bis 1990
  • Epoche V von 1985 bis 2010
  • Epoche VI ab 2005

Alle Angaben verstehen sich als ungefähre Angaben. Wikipedia unterteilt noch genauer nach bestimmten Ländern, da die technische Entwicklung nicht über all gleich verlief und sich auch länderspezifische Besonderheiten entwickelten.

Am Anfang stand die Zeit der Dampflokomotiven, obwohl es die E-Loks bereits gab, deren Einführung aber noch zu große Probleme bereitet hätte. In den 40er-Jahren war der Dampflokbau auf seinem Zenit, nach dem 2. Weltkrieg versuchte man noch mit einigen Erfindungen die dampflok zu retten, aber der Aufwand im Betriebsalltag war zu hoch. Charakteristisch für diese Zeit sind die Dampflokbetriebswerke mit ihren Behandlungseinrichtungen. Parkplätze brauchte man für die paar Autos nicht, eher ein paar Fuhrwerke.

Die typische Eisenbahnszenerie bestand aus Arbeiterwohnungen direkt am Bahngleis, jede Zwickel zischen den Schienen wurde für Schrebergärten genutzt. Etwas abgesetzt prunkt eine Unternehmervilla. Ruß und Schmutz bestimmte die Szenerie, eine Idylle fand sich wenn auch nur für den Betrachter auf dem Land.

Die Züge fuhren langsam, die Wagons waren im Vergleich zu heute kurz, Holz und Stahl verursachten ein hohes Eigengewicht. Vieles wurde in Handarbeit erledigt, es gab Gepäckwagen, Postwagen, Milchwagen und vieles mehr.

Der heutige Alltag ist mehr durch Ganzzüge, die über größere Strecken fahren, gekennzeichnet, oft grenzüberschreitend laufen. Am Anfang und am Ende steht oft ein Ladekran, die die Container vom Wagon auf den LKW umlädt. Stadt Mietwohnung Einfamilienhaus, statt Villa ein Supermarkt und so könnte man viele weitere Beispiele nennen. Aber auch die Arbeiterwohnung gibt es noch, wenn auch schick modernisiert mit angebautem Stahlbalkon, aus der Villa wurde ein Seniorenheim.

Wenn wir unsere Modelleisenbahn bauen ist alles erlaubt, aber es gehört das nötige Feingefühl dazu, dass es sich am Ende stimmig anfühlt. Wir reden ja hier bewusst vom Modell, vom Model von Was? Alles andere ist eine Spieleisenbahn, was ich nicht abwerten möchte, ist aber ein ganz anderes Ding.

Holz gehört auf die Bahn

Holz wird in Europa wie auch in den USA oft über größere Entfernungen transportiert, zu dem sind die Lasten schwer und die Transportzeit spielt keine so große Rolle. – Auf der Modelleisenbahn spielen andere Dinge eine Rolle: Kann ich den Holztransport gut nachbauen, gibt es entsprechende Bausätze und Güterwagen, wie gut lässt sich die Ladung nachbilden und bieten sich Halbfertig- und Fertigprodukte zum Weitertransport an? Das will ich in meinem Beitrag erörtern.

Eine primäre Transportkette besteht zwischen dem Ladegleis nahe des Waldes und einem Sägewerk. Je nach Anlagenschwerpunkt sollten 2 bis 6 Wagen be- bzw. entladen werden können. Da die Wagen per Hand beladen werden, sollten die Gleise gut zugänglich sein, was bei mir gerade so möglich ist. Oft wird Stammholz in Ganzzügen transportiert, dann muss ich die 3 beladenen Wagen im Bahnhof abstellen, weitere Wagen zum Beladen rangieren und später zusammen fügen, damit eine Streckenlok die Fuhre übernehmen kann. In meinem kurzen Film: https://www.youtube.com/watch?v=ORER82v3joA kann man sich das ansehen.

Halt, wir haben ja noch gar nicht über das Wagenmaterial geredet! Die Bahn oder Privatfirmen haben für den Transport verschiedene Wagen angeschafft. Meist sind es Rungenwagen für die langen Stämme, oft sieht man auch offene Güterwagen, vor allem wenn die Stämme bereits auf ein kürzeres Maß gesägt wurden, wie man es bei der Hackschnitzelherstellung verwendet. In den USA verwendet man zu dem noch Wagen wie die Centerbeam- und Bulkhead Flatcars.

Je nach Produkt können die Produkte, die das Sägewerk verlassen in offenen oder geschlossenen Wagons abtransportiert werden.

Erwähnen möchte ich noch, dass die Produktkette nicht wie es in der oberen Grafik aussieht hier aufhört. Die Kisten gehen zur Brauerei, die Möbel werden zu diversen Ladestraßen gebracht, wo sie in LKW´s verladen werden und das Papier wird vor allem über das Übergabegleis in alle Welt verfrachtet.

Meine Stammholzverladung kommt mit einem bereit stehenden Laster und einem Pferdefuhrwerk als Deko aus. Das Sägewerk habe ich mit einem kleinen Bausatz in den man hinein schauen kann, angedeutet. Der größte Teil befindet sich gedanklich außerhalb der Anlage. Eine Schmalspurbahn deutet an, dass das Werk viel größer, wie zu sehen, ist. 5 Ladestellen sind knapp ausreichend für den zu erwartenden Verkehr.

Als Ladung habe ich mir gerade Äste zugeschnitten, die aber beim Trocknungsprozess schrumpfen, die Kuststoffstämme sind verhältnismäßig schwer und bleiben ohne Befestigung auf den Wagen liegen. Für Balken und Bretter verwende ich gerne Balsaholz, für Holzmasten müssen Schaschlikstäbchen her halten. Ein Blick auf Güterwagen im Bahnhof, falls noch vorhanden, oder die Suche im Internet ergibt noch viele Ideen für weitere Ladungen, die auf einen „künstlichen Boden“ geklebt werden, mit dem sie einfach gewechselt werden können.

Der oben erwähnte Film hat noch einen Nachfolger zum Thema und der Transport von Hackschnitzel ist gerade in Arbeit. Am besten meinen Kanal abonnieren, falls er Sie interessiert.

Algodones – Paperwork

Setzen wir unsere Betrachtung der kleinen Destillerie fort. Wir haben etliches unternommen, dass die Waren hin und wieder weg transportiert werden müssen. Nur wie funktioniert das?

Wagenkarten mit Tasche und Wagenlaufkarte

Für jeden Wagen existiert eine Wagenkarte, die einen, meist 4 Aufträge enthält. So angelegt, dass der Wagen nach 4 Fahrten wieder an der Startposition ankommt. Bei dem Tankwagen steht drauf, dass er bei Cornish Billinger (s. Anlagenplan in einem früheren Blogbeitrag) Maismaische abholen soll, den er nach Winslow zur Firma Algodones bringen soll.

Planungsskizze für den Wagenverkehr von Algodomes

Wenn der Tankwagen leer ist, nimmt ihn der nächste Zug mit nach Mountainair. Das ist eigentlich die falsche Richtung, aber so kann der Wagon ohne große Rangiermanöver abgezogen werden. In Mountainair wird er dann an den nächsten Zug nach Portales angehangen, wo er dem RIP (repair in place) Gleis zugestellt wird. Bei mir wird der Wagon hier gereinigt, bei Lebensmitteln muss das sein. Von hier wird er bei Bedarf wieder Cornish Billinger zugestellt. Und der Kreislauf beginnt von vorne.

Natürlich kann ich die Wagenlaufkarte auch in die Tasche eines anderen passenden Wagens stecken, wenn mir ein anderer besser gefällt. Das war jetzt der Weg eines Tankwagens. Das selbe habe ich für einen Kohlenwagen entworfen und für einen Boxcar (geschlossenen Güterwagen). Bei der Disposition muss ich beachten, dass nicht mehr als zwei der Wagen gleichzeitig Algodones zu gestellt werden, denn es gibt nur für 2 Wagen einen sinnvollen Abstellplatz.

Eine Besonderheit hat die Wagenlaufkarte. Sie ist in 4 Teile gegliedert und nummeriert. Ein Teil ist sichtbar und schaut aus der Tasche der Wagenkarte heraus. Nach jeder Fahrt, wird nach dem Zustellen die Karte so gedreht bzw. gewendet, dass die folgende Nummer zu sehen ist. Beim Blick des Rangierers auf die Karte sieht er sofort, ob der Wagen in seinen Zug passt oder wohin der Wagen als nächstes soll.

Aufwendig? Wenn erst mal alles fertig ist, läuft die Zugbildung wie am Schnürchen. Etwas Disziplin ist jedoch von Nöten: Begleiten die Karten den Zug nicht mit den anderen Papieren, dann geht irgend wann mal das große Suchen los, bis jede Wagenkarte wieder seinen Wagen gefunden hat. Dass das nicht passiert, bekommt der Zugführer eine Loktasche in die zu Beginn sämtliche Wagenkarten gesteckt werden. Im ersten Bahnhof werden die entnommen, deren Wagen dort bleiben, dazu kommen die neu angehängten Wagen. Im Caboose kann er dann alles durchschauen und sich seine nächsten Rangiermanöver überlegen.

Sie sehen schon, es gibt zu tun. Und wenn man den Zug fahren und gleichzeitig die Rangiermanöver durchführen soll ohne den Überblick zu verlieren, das ist Arbeit. Am besten man findet jemanden, der eine Aufgabe übernimmt: die des Zug- bzw. des Lokführers. Ja, und das natürlich für jeden Zug, denn bei meiner digitalisierten Anlage, kann man sich gut vorstellen, dass 3 Züge unabhängig von einander arbeiten. In den USA ist das üblich, dass man sich zu einer Spielsession rundum trifft.

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Algodones – Destillerie

Warum wird aus einer Ofen- und Boilerwerkstätte eine Brennerei? Auf meiner Anlage soll alles eine Funktion erfüllen. Natürlich braucht man im Wilden Westen auch Öfen, aber nicht all zu viele, so dass ein Eisenbahnanschluss sehr weit her geholt erscheint. So zeigte sich auch im Betrieb, dass der Anschluss nur selten bedient wurde. Daraus ergab sich die Idee, den eigentlich netten Bausatz einer anderen Funktion zu übergeben.

Plötzlich war die Idee da, eine Brennerei, von denen gab es nicht wenige in den frühen Jahren der USA. Nach kurzer Suche im Internet fand ich die Algodones Distillerie bei Santa Fe (NM), von der habe ich mir den Schilderentwurf ausgeliehen.

Weitere Recherchen ergab, dass ich als Ausgangsprodukt Zucker oder andere stärkehaltige Produkte brauchte. In Mexiko braut man schon seit langer Zeit ein Bier aus Mais und den Mais verwendet man heute für einen zarten Bourbon-Whisky. Der Mais wird bei mir in Tankwagen als Maische angeliefert. Dafür musste ich noch einen größeren Silo.

Der Silo besteht aus einer Kartonröhre, dem Deckel und dem Dom eines ausrangierten Tankwagens, einem Handbremsrad und einem Eckstück eines Spritzlings. Alle Teile wurden passend gesägt und gefeilt, zusammen geklebt, grundiert und teilweise lackiert.

Da es im Süd-Westen nicht all zu viele Wälder gibt, importiert man, seit es die Eisenbahn hier gibt, Kohle für den Brennvorgang. Dafür entstand ein kleiner Kohlebansen. Die Kohle wird wie zu uralt Zeiten mit der Schaufel entleert.

Alles andere: Hefe, Gewürze, Fässer, Flaschen, Etiketten usw. kommen in geschlossenem Güterwagen (Boxcar), der den Whiskey auch wieder mitnimmt und ihn über einen Großhändler Henßen´s Grocerie auf der Anlage weiter verteilt.

Die Kohle kommt von Außerhalb über das Übergabegleis in Prewitt, die Maische setzt Cornish Billinger an und liefert sie je nach Bestellung. Damit ist ein Netz von An- und Abfuhren entstanden, das in Zukuft eine Menge Verkehr auf die Anlage bringt. Bis der erste Wagen rollt, ist aber noch etwas Zettelkram (Paperwork) zu erledigen, über den ich demnächst berichten werde.

Anregungen und Kritik sind mir willkommen. Mit einem Abo der Seite sind Sie immer auf dem Laufenden.

Meine Anlage

Santa Fe South-West Branch: Die Eisenbahngesellschaft, die hauptsächlich auf meinen Schienen fährt ist die Santa Fe, heute zusammen geschlossen mit der Burlington Northern zur BNSF.

South-West: Da die Landschaftsmotive und Namen dem Südwesten der USA entnommen sind, genauer Arizona und New Mexiko und Branch-Line, ein Begriff für eine Nebenstrecke, die es so nicht gibt.

Die Anlage füllt mittlerweile einen ganzen Hobbyraum, und da kein weiterer Platz mehr da ist, beschäftige ich mich die letzten Jahre mit dem Betrieb meiner Anlage. Ich werde mich in meinen Beiträgen so allgemein halten, dass jeder Modelleisenbahner von meinen Ideen und Erfahrungen profitieren kann.

Der Aufbau meiner Anlage besteht aus Modulen und teils aus Segmenten mit einem Normmaß von 100×50 cm und einer Trassenhöhe von 1,70m. Das Schienenmaterial ist von ROCO, meistens Flexgleise. Der Schwellenabstand ist für US-Bahnen zu weit, aber für eine Nebenbahn habe ich da ein Auge zu gedrückt. Die Weichen waren zu Beginn alle elektrisch unterhalb der Anlage gesteuert. In letzter Zeit habe ich viele Weichen auf Handbetrieb umgestellt, was dem Vorbild gerechter wird und Spaß macht.

Die Lokomotiven sind alle digitalisiert und werden durch Funkhandregler eines Sets multiMAUSpro und multiZENTRALEpro von ROCO gesteuert. Dabei kann ich auf den Sound der Loks gut verzichten, aber beim Rangieren ist der Funkhandregler einfach toll.

Auf You-tube finden Sie meine Anlage u. a. unter: https://youtu.be/YRorAQPVRnU. Dort habe ich einige der Themen behandelt, die ich hier noch mal aufgreifen werde.

Grundsätzliche Bemerkungen:

  • Ein Zug fährt von A nach B.
  • Eine Ware wird von A nach B befördert.
  • Eine Modelleisenbahn bildet die Wirklichkeit im Kleinen nach.

Wenn das so ist, muss ich mir überlegen von wo nach wo mein Zug fahren soll. Dabei können bei der Auswahl ein regionaler Bezug oder eine Vorliebe für eine Gegend ausschlaggebend sein.

Dann sollte ich überschlagen, wie viel Platz ich zur Verfügung habe, um meine Vorstellungen zu verwirklichen. Eine durchschnittlich große Lok oder Wagen sind im Maßstab 1:87 etwa 20 cm lang. Eine Lok mit 3 Wagen brauchen im Bahnhof mindestens 80 cm. Dazu muss ich mir noch eine Eingangs- bzw. Ausgangsweiche denken, dann bin ich schon bei einer Plattenlänge von 1,20 m + anschließender Kurven komme ich auf über 2 m.

Wenn ich den Platz nicht habe, könnte ich einen kleineren Maßstab wählen: TT, N, Z oder ein Anlagenthema wählen, das weniger Platz braucht, wie eine Werkbahn oder Nebenbahn, die mit einer kleinen Rangierlokomotive und kurzen Wägelchen auskommt. Es kann auch „nur“ eine interessante Rangieranlage sein, die im Bücherregal mit 2m und 30 cm Tiefe auskommt.

Mit diesen Gedanken will ich niemanden die Freude an der Modellbahn nehmen, nur wenn die grundsätzlichen Parameter stimmen, wird man später Freude dran haben. Also:

Was will ich?

Was kann ich mir räumlich leisten?