Trulli und Grotten

Ziel unserer heutigen Fahrradtour war Trani. Das schien so einfach, einfach dem Fahrradweg vor dem Campingplatz nach Norden folgen. Leider war nach gut einem Kilometer Schluss, eine Brücke über ein Tal war gesperrt, kein Hinweisschild oder Umleitung; wir strandeten an den Bahngleisen, es ging einfach nicht weiter.

bis dahin und nicht weiter

Also kehrt, den Weg nach Bisceglie kannten wir ja schon. Eine Fortsetzung vom Hafen in Richtung Brindisi zu finden war Pfadfinderarbeit. Durch Industrieruinen und über Schlaglöchern entdeckten wir ein Hinweisschild zu Trullis, Grotten und einem Strand.

Das war immerhin ein Ziel. Der Weg zwar schmal, aber asphaltiert führte uns aus der Stadt hinaus, die Felder und Olivenhaine meist mit Mauern eingzäunt, dafür mit blühenden Straßenrändern. Hier hatte der Lauch schon lilane Blütenköpfe. Irgend wann war der Weg nur noch ein Pfad. Hier hatte man Trullis restauriert. Die sahen aber unterschiedlich zu denen von Alberobello aus.

Wir folgten einem Küstenpfad und mussten uns durch ein Blütenmeer schlängeln. Plötzlich standen wir an einem Magerrasen voll mit blühenden Orchideen. Von hier sahen wir auch den Steilhang in dem die Grotte liegen könnte. Also zurück, der Abstieg war steil und die Steine bröckelig so dass Gudrun oben blieb. Es hat sich auch nicht groß gelohnt.

Zurück im Ort fragten wir nach einem Restaurant. Trotz mangelhafter Italienischkenntnisse fanden wir das Lokal, ein unscheinbarer Eingang, aber dann waren wir überrascht, vom Ambiente wie vom Essen. Es hat sich gelohnt den touristischen Bereich der Stadt hinter sich zu lassen.

Bisceglie

Der Campingplatz ist ganz in Ordnung, ist ja auch der einzige hier herum. Direkt vor dem Eingang führt der blaue Fahrradweg in etwa 4 km in den Ort. In die andere Richtung führt er nach Trani. Tagsüber ist es etwas laut, denn wir haben eine Papageienkolonie fast direkt über uns in der Kiefer. Das Einflugsloch befindet sich unten und wir können fast hinein schauen. Es sind hübsche Kerle, die wir auch schon in Spanien und Frankreich, aber auch in Deutschland in Parkanlagen entdecken können.

Mit den Fahrrädern waren wir schnell im Zentrum, das heißt am Hafen. Ein großer Teil des Kais verläuft flach ins Wasser. Über Seilwinden können die Boote einfach aus dem Wasser geholt werden. Es ist keine moderne Marina, hier gehen Fischer noch ihrem angestammten Beruf nach. Auf einer Seite im tiefen Wasser liegen auch einige Trawler, aber meist sind es kleinere Boote.

Am westlichen Rand erhebt sich eine Mauer mit Türmen. Durch ein Tor kann man die Altstadt befahren, mit dem Fahrrad. Mit dem Auto hat man da seine Schwierigkeiten. Entweder sind die Gassen zu eng oder sie enden in einer Treppe. Also, am besten die Fahrräder abschließen und alles weitere zu Fuß angehen.

Wir kamen an einigen Palazzos aus dem Mittelalter vorbei, meist schlicht gehalten und nur mit wenigen Verschönerungen versehen. Die meisten Kirchen waren geschlossen. Oft entdeckten wir aufwendig gestaltete Fenster. Die Altstadt besteht vor allem aus Wohnhäusern, Geschäfte gibt es hier kaum, auch nichts für den Tourismus. An kleineren Plätzen befindet manchmal eine Bar.

Schloss

Meistens waren die Wege sauber, die Häuser gepflegt, immer wieder hörten wir Baulärm. Neubauten wurden konsequent außerhalb der Altstadt gebaut. Hier fanden wir auch einen fliegenden Händler mit leckeren Erdbeeren.

Heute Nachmittag soll es noch regnen, vermutlich sind wir umsonst so früh zurück gekehrt. Jetzt muss ich von den vielen Bildern einige wenige auswählen, das wird nicht einfach werden.

Über den Gargano

Um von Vieste nach Süden zu gelangen, haben wir bisher immer die Küstenstraße genommen. Heute wollte ich mal über die Berge fahren, und das lies sich zu Beginn auch sehr gut an. Auf der Straße gab es nur wenig Verkehr und Kurve für Kurve ging es den Berg hinauf. Bals erreichten wir die Orchideen, die ich auf der Hinfahrt an anderer Stelle gesehen hatte, aber nicht anhalten konnte.

Wir waren erstaunt wie weit die Olivenbäume uns begleiteten bis wir in einen immergrünen Wald fuhren, der nach einigen Kilometern in einen Kiefernwald überging, der dann zum Buchenwald wurde. Die Bäche führten alle kein Wasser und oft war es sehr dunkel.

Mit der Höhe änderte sich alles krass, plötzlich gab es steinige Weiden entlang der Straße und es blüht üppig. Das Internet ist mal wieder dürftig und so kann ich im Moment die fotografierten Pflanzen nicht bestimmen.

Als es dann langsam bergab ging, war die Hauptstraße gesperrt und wir wurden auf ein Nebensträßchen geleitet, das nur an vereinzelten Stellen zweispurig war. Die Personen vom Gegenverkehr wunderten sich nicht schlecht, was ihnen da entgegen kam. Außerdem wurde es sehr steil, was den Vorteil hatte, dass wir schnell die Küstenstraße erreichten.

Bummel durch Vieste

Vieste ist einfach fotogen, obwohl wir schon mehrmals hier waren, (siehe frühere Blogbeiträge), war es für mich nicht schwierig Fotomotive zu finden, von denen ich hier einige wenige zeigen werde. Der Trick dieses Mal war, die Einbahnstraßen falsch herum zu „begehen“, wir haben unsere Fahrräder geschoben.

Das ermöglicht ganz neue Blickwinkel. – Es war so gut wie windstill und die Sonne schien auf uns herab. Wir waren eindeutig zu warm angezogen. Die Touristen gehen vor allem zu dem kilometerlangen Strand im Süden der Stadt, oder aber zu dem im Norden. Dort gibt es beim Eurospin 2 größere Plätze, dem stadtnahen Lebensmittelmarkt und dem heute stattfindenden Markt für alles andere, und da zwischen liegt in einer kleinen Bucht der Stadtstrand (s. Foto oben).

Dem sind wir entlang gebummelt bis wir ganz links außen zu der Kapelle gelangten, die auf einem Felssporn liegt. Von dort gelang mir das Bild hinauf zur Oberstadt. Hier steht unten am Meer ein weiterer Trabucco. Wieder oben bei den Fahrrädern, schoben wir sie über einen Fußweg, der an der Felskante entlang führt, von dem wir einen Blick zurück auf die Kapelle hatten.

Dann mussten wir in Gewirr der Gassen ausweichen, denn weiter hinauf führten Treppen, die für die schweren E-Bikes nicht geeignet sind. In einem kleinen Laden nahmen wir Zwiebelmarmelade mit. Schüttelt es dich? Die streichen wir auf den Käse. Mit Tomaten- und Paprikamarmelade haben wir schon gute Erfahrungen gemacht, also dieses Mal versuchen wir es mit Zwiebeln.

Da wir noch den südlichen Strand abfahren wollten, ging es nun auf die Hauptstraße in Richtung Manfredonia. Ganz am Ende gibt es ein nettes Lokal, das aber noch geschlossen war. Also ging es zurück und kurz vor dem weißen Zahn am Strand entdeckten wir ein Restaurant das um 12 Uhr schon geöffnet hatte, eine deutschsprachige Menuekarte besaß, und uns mit sehr leckeren Essen bediente.

Die Gazanie steht im Schutt hinter dem Felsen.

Vieste Camping Molinella

Das erste Stück auf der Autostrada und dann durch den Gagano. Nun, das erste Stück ist gut ausgebaut, aber es gibt Geschwindigkeitsbeschränkungen, besonders bei kreuzenden Straßen, dazu eine doppelte durchgezogene Linie + Überholverbotsschildern, besonders dann ist auf überholenden Verkehr von hinten zu achten. Als wir eine Passhöhe erreicht hatten wurde die Straße schmal und führte in vielen Serpentinen in Richtung Vieste.

Das Navi hat uns ohne Umwege zum Campingplatz geführt und wir waren froh, dass trotz 1. Mai noch einige Plätze frei waren. Hier ist insgesamt nicht so viel los wie weiter im Norden, mehr Deutsche wie Italiener, die vor allem die Bugalows gebucht haben. Der Platz ist immer noch so gepflegt, wie wir es von früher her kannten.

Ich habe mir einen kurzen Spaziergang an die Felsenküste gegönnt. Die Orchideen sind schon alle verblüht. Dafür blüht anderes. Der Wind war eine Herausforderung beim Fotografieren. Durch kurzfristiges Einfrieren des Motives klappte es dann doch.

Am Eingang des Campingplatzes gibt es auch einen Sandstrand, Bar und Bootsverleih so wie ein kleines Restaurant. Zum Supermarkt: Eurospin braucht man die Fahrräder, auch muss man einen kleinen Buckel überqueren.

Punta Aderci

Da wir die Fortsetzung der Via Verde nach Norden gestern schon ausgekundschaftet hatten, war das heute kein Problem mehr. Der Wind blies uns aber noch kräftig aus nördlicher Richtung entgegen, so hatten sich einige Kitesurfer am Strand von Vasto eingefunden.

Vom Bahnhof ging es dann eigentlich los. Die Piste ist gut ausgebaut und es dauerte nicht lange bis wir den ersten der beleuchteten Tunnel erreichten. Trotzdem waren wir froh Beleuchtung am Fahrrad zu haben, so konnten wir gut gesehen werden. Auf der Via Verde war heute am 1. Mai viel los.

Nicht all zu weit führte die Piste auf der ehemaligen Bahnstrecke. Wir erreichten die neue Trasse und mussten auf die Landstraße ausweichen. Das machte uns neben dem Wind, jetzt auf der Ebene, nicht viel Vergnügen und so bogen wir zur Punta Aderci ab. Hier gibt es ein kleines Naturschutzgebiet mit Dünen unten am Strand.

Schon von oben vielen uns die großen weißen Büschel von Strauch-Margeriten (Arthemis maritima) auf. Da musste ich natürlich hinunter, um sie mir näher anzusehen. Sie standen zwischen Büschel von hohem Strandgras. Am Uferstreifen lag viel Treibgut, das von etlichen Besuchern zum Bauen von bizarren Gebilden genutzt wurde.

Arthemis maritima – Strandbeifuß

Da es hier nichts zu essen gab, kehrten wir um. An einer Kreuzung war ein Bikertreff, laute Musik hallte über die Straße. Das war der Vorgeschmack von dem was uns am Strand von Vasto erwartete. Mit den Fahrrädern war es selbst geschoben kaum ein Durchkommen, dazu Lifemusik. Mit dem Ende der Promenade wurde es schlagartig ruhiger. Da gibt es auch einen weiteren Naturschutzstreifen am Strand, der an einem botanischen Garten endet. Hier war die Promenade schön angelegt, aber es war längst nicht mehr so viel los. Es gab was zu essen und abgesehen, dass man uns „ausversehen“ 4x das Gedeck berechnet hat, waren wir zufrieden.

Vasto

Gestern sind wir bis an das südliche Ende der uns bekannten Via Verde gefahren. Das Wetter war warm, wir waren in einem LIDL einkaufen, was eine große Enttäuschung war. Mit Müh und Not fanden wir das Nötigste, was wir brauchten. Die meisten Campingplätze hier sind noch geschlossen, so waren wir froh einen geöffneten zu finden, aber ohne WIFI, Toiletten ohne Papier und Seife, Pieselduschen und ein dreckiger Strand.

Vasto Marina

Wir wollten zum Glück nicht baden. Für letzte Nacht war Regen angesagt und der kam dann auch. Erst im Laufe des Vormittags lies er nach, aber es war deutlich kühler. Trotzdem sind wir los, auf einem Teil der Via Verde in Richtung Vasto. Er ist schön angelegt, nur hört er plötzlich auf und man muss suchen, ob er irgend wo weiter geht.

In Vasto Marina, war dann an einer Straßensperre einfach Schluss, so beschlossen wir zur Stadt hinauf zu fahren. Sie liegt 144 Meter über den Strand und wir und unsere Räder wurden gefordert. Oben hat man einen sehr schönen Blick auf die Küste, Dort am Rand befindet sich auch die Altstadt mit einigen historischen Gebäuden, netten Gassen und Lokalen.

Auf dem Heimweg sahen wir dann auch die Weiterführung der Via Verde am aufgelassenen und ziemlich herunter gekommenen Bahnhof. Einen Hinweis auf den Radweg konnten wir nicht entdecken. Wer den nutzen will braucht wohl eine Smartphone-App, um ihn zu finden. Zum Campingplatz zurück ging es auch ohne. Jetzt werden die Akkus der Räder aufgeladen und dann mal schauen, was als nächstes kommt.

Via Verde von Ortona nach Süden

Schon wieder ein Tag voller Sonnenschein und ich wäre doch kein richtiger Deutscher, wenn ich mich nicht beklagen würde, denn wer kümmert sich um meine Arme, die rot sind und brennen? Aber lassen wir das, wir stiegen auf die Fahrräder, zuerst nach Ortona, runter zum Hafen, bzw. Bahnhof, wo die Via Verde beginnt.

Jetzt wissen wir auch warum sie Via Verde heißt, wenn die grüne Farbe auch nur wenige hundert Meter gereicht hat. Weitaus kunstfertiger sind die Streetart-Bilder entlang des Weges. Hier nur eine kleine Auswahl. Insgesamt führt der Fahrradweg über etwa 50 km bis Vasto mit einer Unterbrechung.

In Ortona befinden sich mehrere Fahrradverleihstationen, an den folgenden Stationen ebenso. Heute, an einem Werktag Morgen, begegneten wir vielen Menschen, mit Hund und Oder Smartphone, sportlich oder bummelnd, das Gleiche per Fahrrad in beiden Richtungen.

Trabocco

Bekannt ist dieser Küstenabschnitt auch für seine Trabocco, auf Stelzen stehende Fischerhütten von denen aus große Netze ins Meer hinab gelassen werden. Nur noch wenige Fischer arbeiten damit. Mehrmals sahen wir, dass dort Bars und Restaurants eingerichtet worden sind, von denen es genügend entlang der Strecke gibt.

Ortona von der Via Verde aus

Schwieriger wird es, wenn man in den Orten den ganz alltäglichen Einkauf tätigen will. In einer Baracke fanden wir einen „Tante Emma“-Laden. Es gab so ziemlich alles, aber die beiden Damen waren so etwas von umständlich. Trotz dessen war die Tour schön, aber morgen soll es weiter gehen. Lasst euch überraschen, auch wir wissen noch nicht wo hin der Weg uns führt.

Ortona

Mit den Fahrrädern soll es zum nahen Ortona gehen. Der Campingplatz liegt auf dem hohen Ufer, so wie der Ort auch. Wo liegt das Problem?, an einem kleinen Bachlauf den man fast auf Meereshöhe überqueren muss. Mit guten Fahrrädern war auch das kein großes Problem. Wieder auf der Höhe erreicht man kurz darauf den „Balkon“, eine wunderschöne Promenade mit Blick auf den Hafen, den Bahnhof und die Küste nach Süden hin.

An vorderster Stelle liegt die Festung, eine Ruine, denn die Stadt wurde am Ende des 2. Weltkriegs heftig umkämpft. Kaum ein Stein blieb auf dem anderen. Teile der Burg wurden wieder aufgebaut. Einen Teil kann man ohne Eintritt besichtigen.

Der Reiseführer hat wenig erwähnenswertes über die Stadt zu sagen weiß. Wer die Augen offen hält findet trotzdem immer wieder reizvolle Motive. Ein Einbahnstraßensystem und eine ganz verkehrsberuhigte Zone lädt zum Bummeln ein.

Von oben sahen wir die Via verte, den Fahrradweg, und fuhren die Serpentine zum Hafen hinunter. Er verläuft wunderschön zwischen Eisenbahnlinie und Strand, nur leider ist der Weg nach gut einem Kilometer gesperrt, Bauarbeiten. Also ging es wieder zurück, die Serpentinen zur Stadt hinauf und von da den bekannten Weg zurück zum Campingplatz. Am Straßenrand sahen wir den Purpur-Orchis und das rosa Kantenlauch.

Fahrt nach Ortonna

Sonntag Morgen, nach einem langem lauten Abend sind heute alle träge und selbst die Hunde haben keine Lust Krach zu machen. Aber nichts da, wir fahren, über Rimini auf die Autostrada nach Süden. Die Tankstellen verlangen einen unverschämten Preis, so fuhren wir zum Tanken und anschließendem Mittagessen von der Autobahn.

Für 40 € zu zweit, einmal Gnocchi mit Spargel und Schrimps bzw. Spagetti mit Meeresfrüchten, was wir nicht geschafft haben + Getränke, da kann man nicht motzen. Von der Cheffin gab es noch 3 verschiedene Süßigkeiten als Gruß vom Haus zum Kaffee, eines leckerer wie das andere. Leider habe ich kein Foto davon gemacht, das muss man so wie so essen, nicht anschauen.

Zurück auf der Autobahn fühlten wir uns wie im Allgäu, andauernd Schneeberge vor uns. Zuerst der Gran Sasso mit über 2912 Metern, dann die Montagna di Maiella mit 2737 Metern, da liegt eindeutig noch mehr Schnee wie in den Deutschen Alpen. Der Gran Sasso liegt gerade mal 40 km vom Meerweg und die Mariella gerade mal 20 km. Je nach den Windungen der Straße hat man das Gefühl, dass man da noch drüber muss.

Irgend wann hatten wir alle Tunnel hinter uns und wir hatten nur noch wenige Kilometer bis zum Campingplatz. Ortonna liegt auf einem Felsockel direkt über der Küste, was die Bilder gut zeigen. Mal sehen, was wir morgen machen. Immerhin liegt der Ort hier oben.