Über den Col la Sausse nach Hauterives

Normalerweise habe ich an den Fahrtagen keine Bilder, aber heute war die Landschaft so schön, dass ich immer mal wieder eine Parkbucht angefahren habe, um auch als Fahrer etwas mehr von der Landschaft ab zu bekommen. Gudrun hat natürlich fleißig gefilmt, nur deren Aufnahmen kann ich ohne großen Aufwand hier nicht integrieren.

Nun zurück zu unserer Tour. Nyons liegt auf 268 m üNN. Von dort ging es über ein Seitental der Eygues nach Norden, dem Défilé de Trente Pas folgend auf den Col la Sausse (791 m). Das ist nicht besonders hoch, aber auf einem Stück war es sehr eng und ein LKW-Fahrer setzte rückwärts den Berg hinauf zurück in eine Ausweichstelle.

Durch das Tunnel passten auch nur ein Fahrzeug auf einmal. Immerhin wurde vor einer Engstelle gewarnt. Weiter oben war mehr Platz und die Straße schlängelte sich sanft hinauf. Vor allem nach Norden hat man hier einen schönen Blick und hier blühte noch so manches, was im Tal schon verblüht ist oder dem Mähwerk zum Opfer gefallen ist.

Erst mal den Talgrund erreicht, wurden die Straßen breiter und wir kamen zügig unserem Tagesziel in Hauterives näher. Man hatte uns schon Angst gemacht, dass es hier touristisch überlaufen sein würde, aber davon ist auf dem Campingplatz nichts zu spüren. Über den Ort gibt es dann morgen mehr.

Entlang der Eygues

Vom Campingplatz kann man erkennen, dass am Hang des gegenüber liegenden Ufers ein Weg verläuft. Ein bisschen Suchen und wir fanden den Fahrrad-Weg mit der Bezeichnung Au fil d`Eygues, was so viel bedeutet wie: Entlang der Eygues. Bei herrlichem Wetter suchten wir den Einstieg zu diesem Weg, der zu erst noch asphaltiert durch die Außenbezirke von Nyons verlief, später einer Naturstraße mit Schlaglöchern glich.

Nicht desto trotz war die Landschaft wunderschön, der Straßenverkehr weit weg, es blühte, im Moment überall der ausdauernde Lein und im Hintergrund die Ausläufer der Alpen. Besonderer Höhepunkt waren 2 Bach-Durchfahrten. Bei der ersten ging es noch zügig, bei der zweiten zogen wir die Schuhe aus und krempelten die Hosen bis über die Knie.

Les Pilles

Kurz darauf erreichten wir Les Pilles. Hier gibt es eine Brücke über die Eygues, da wir aber nicht auf die Hauptstraße wollten, blieben wir auf der linken Seite und erfreuten uns an der nun asphaltierten Straße.

Unterwegs blieb ich immer mal wieder stehen, da ich „Blümchen“ fotografieren wollte. Hier mal wieder zwei Orchideen am Wegesrand. Wir fuhren noch ein paar Kilometer über Curnier hinaus und hatten einige heftige Steigungen zu überwinden. Die Landschaft war beeindruckend, aber uns wurde der Weg zu anstrengend, wir mussten ja auch wieder zurück.

Curnier

In Curnier gibt es eine kleine Bar mit Restaurant, was für einen 200 Einwohner zählenden Ort nicht selbstverständlich ist. Zur Mittagszeit waren dann auch etliche Tische besetzt. Gut gestärkt fuhren wir danach zurück und kauften in der Cooperative von dem berühmten Olivenöl der Gegend ein.

Nyons

Es ist zwar nur gut 1 km bis zum Zentrum, aber wer weiß, was wir alles mitbringen, so haben wir die Fahrräder genommen und sie an einem Geländer der romanischen Brücke aus dem Jahre 1409 angekettet. Die Brücke ist das Wahrzeichen des Ortes. Sie ist eine ein bogige Brücke mit 43 m Spannweite und 18 m Höhe.

Die sehenswerte Altstadt stammt aus dem 13.-14. Jahrhundert und war heute gedrängt voll von Marktständen und natürlich Besuchern. Eine Besonderheit der Gegend sind die schwarzen Oliven. Die gibt es eingelegt oder als sehr geschätztes Olivenöl. Natürlich wurden Seifen, Kräuter und Nougat angeboten.

Im Altstadtbereich liegt die Kirche St. Vincent mit ihrem Glockenkäfig. Oberhalb bewacht ein ehemaliger Wachturm den Ort. Im 19. Jahrhundert wurde er in eine Kapelle umgewandelt und erhielt einen pyramidenförmigen Aufsatz mit einer 3,5 m hohen Marienstatue.

Trödelmarkt und Weiterreise

Nach dem wir unser Wohnmobil zur Weiterfahrt fertig gemacht hatten, liefen wir noch über den Trödelmarkt, der sich vor dem Eingang des Campingplatzes ausgebreitet hatte. Der Platz unter den Plantagen und vor unserem Lieblingsrestaurant war gut belegt mit allem was die Franzosen unter Brocante verstehen, Flohmarktartikel vom edlen Porzellan, Bilder, Kleinmöbel, Geschirr, Spielzeug, Waffen etc.

Da genügend Platz vorhanden war, herrschte kein Gedrängel. Auch an Publikum war alles erdenkliche vertreten und so manches Mal hatte ich Lust die Kamera zu bemühen, ich hielt mich dann doch an die Sachgegenstände. Gekauft wurde nur das, was wir benötigen, also nichts.

Eng ging es dann her, als wir uns mit dem Wohnmobil durch die parkenden Autos aus dem Ort schlängeln mussten, da waren es oft nur wenige Zentimeter Platz. Aber dann ging es zügig über Nîmes, Avignon und Carpentras in die nördliche Provence.

Hier in Nyons an der Eygues (gesprochen: Äge) befinden wir uns nördlich des Mt. Ventou am Rande der Seealpen. Der Campingplatz ist gut besucht und bietet originelle Hütten/Zelte für Personen, die kein Bett mitbringen, an.

Fahrradrunde nördlich von Sommières

Heute wollten wir den uns noch fehlenden Teil der Voie Verte befahren. Wieder ging es zuerst zum ehemaligen Bahnhof, um dort nach Norden auf den Voie Verte ab zu biegen. Die Eisenbahnlinie verlief früher hinter dem Schloss entlang in einem langen Tunnel. Gut asphaltiert und mit einer Beleuchtung versehen, war er kein Problem.

Leicht ansteigend schlängelte sich die Trasse zuerst durch einen Korkeichenwald, später zwischen Felder bis kurz vor Lecques. Hier ist vorerst Schluss. Direkt zurück zu fahren erschien uns bei dem schönen Wetter nicht sinnvoll, so entschieden wir uns auf einem Rundkurs, der nach Sommières zurück kehrt ab zu biegen.

Vor dem Ort mussten wir die Vidourle überqueren. Vor möglicher Überflutung der Brücke wurde gewarnt. Zu unserem Glück floss die Vidourle gemäßigt unter uns durch.

Weiter ging es nach Salinelles. Hier hängt die Glocke auf dem Rathausturm und Aspères, wo wir noch diese besondere Rose sahen, eine Rambler-Rose mit Namen Veilchenblau.

Die letzte Station war Campagne, die eine Kapelle aus dem 11. Jahrhundert aufweist. An einem Gartenzaun fanden wir eine große Fläche bedeckt mit der Teppichverbene (Phyla nodiflora).

Sommieres – Stadtrundgang

Mit einem speziellen Stadtführer machten wir uns auf den Weg uns noch unbekannte Ecken des Städtchens zu erkunden. Zu erst liefen wir hinauf zum Schloss, dessen mächtigen Turm wir immer wieder heraus schauen sahen. Wir kamen bis zur Burgmauer, der Rest war gesperrt. Immerhin hatten wir einen Blick hinunter auf den Ort.

Nun ging es darum die Reste der ehemaligen 200 m langen Brücke zu finden. Die hat man später einfach mit Wohnhäusern überbaut. Von einem tiefer liegenden Platz entdeckten wir die Bögen und dahinter offene Garagenplätze oder Keller.

Oben drüber verläuft eine der Hauptstraßen in Verlängerung des Torturms. Unterhalb des Schlosses liegt die Kirche St. Pons, die, so wie wir sie heute sehen, aus den Jahren um 1850 stammt und im neugotischen Stil erbaut wurde. Die Wandmalereien sind noch gut erhalten. Auffallend ist die auf 3 Seiten verlaufende Balustrade im Obergeschoss.

Am Boule-Platz haben wir noch mal gegessen. Heute war es der Artischockensalat mit Tintenfischringen und Sardellen, der fantastisch geschmeckt hat.

Voie Verte: Sommieres-Caveirac

Schade, dass es die alte Eisenbahnstrecke nicht mehr gibt und schön, dass man aus der Trasse ein beliebtes Freizeitangebot kreiert hat. Startpunkt ist am ehemaligen Bahnhof von Sommieres. Der Bahnhof selber ist nun ein Hotel. Leicht ansteigend führt die Trasse durch ursprünglichen Steineichenwald auf die Anhöhe hinauf.

Hier befinden sich ausgedehnte Weingärten und Weiden mit weißen Pferden der nahen Camaque und schwarzen Stieren, denn in dieser Gegend ist der französische Stierkampf noch beliebt.

Am Endpunkt der Voie Verte fanden wir eine Bäckerei, wo man uns ein Stück Pizza warm machte, besser wie hungern. Hier fiel mir ein Innen wie außen bemaltes Buswartehäuschen auf. Es ist heute sehr warm und wir genossen den Fahrtwind.

Pyramiden-Knabenkraut (Anacamptis pyramidalis)

Auf der Rückfahrt entdeckten wir, dass sich in dem kleinen Bahnhof Congenies eine Bar / Restaurant befindet, was zu einem Café allongé einlud. Auf einer Wiese blühten Orchideen um die Wette und im Wald standen rote Waldvögelein-Pflanzen. Einfach ein perfekter Tag.

Sommieres

Der Ort liegt am Fluss Vidourie und bis Nîmes sind es etwa 30 km. Die Brücke stammte in ihren Anfängen aus der Zeit des Tiberius und war 200 m lang. Heute sind Teile durch Wohnhäuser überbaut und die Brück existiert als Kellergewölbe.

Im Krieg gegen die Hugenotten wurden große Teile der Stadt zerstört, so stammen viele Häuser aus der Zeit nach 1780. Einer der Brückentürme wurde später als Stadttor genutzt. 1603 erhielt er einen kleinen Turmaufbau mit schmiedeeisernem Glockenkäfig.

Im Ortszentrum befindet sich ein mit Arkaden gesäumter Platz. Von hier gehen mehrere schmale Gassen mit netten Geschäften weg. Das Handwerk, das angeboten wird, wird meist selber hergestellt, ist also keine chinesische Massenware.

Eingekauft haben wir bei einem Metzger, der uns gleich erklärte wo seine Schweine her stammen und auch im Käseladen gab es nur Produkte aus eigener Produktion. So hebt sich der Ort mit gerade mal 4000 Einwohnern angenehm von anderen touristischen Anziehungspunkten ab.

Sête

Heute fuhren wir entlang des Canal-du-Rhone bis zur Stadt Sête. Fahrradstreifen und eigenständiger Fahrradweg wechseln sich bis ins Zentrum hinein ab. Sête wurde erst von Ludwig XIV gegründet, um einen weiteren Hafen neben Marseille am Mittelmeer zu haben.

Zudem hat der Hafen Anschluss an den Canal-du-Rhone und an den Canal-du-Midi. Damit ziehen auch heute noch etliche Kanäle durch das Stadtgebiet und Brücken sind die Knotenpunkte im Verkehr, vor allem wenn die Hub-, Dreh- und Schwenkbrücken für den Straßenverkehr gesperrt werden.

In Sête kann man Kriegsschiffe, Kreuzfahrtschiffe, Fähren nach Nordafrika und eine Fischfangflotte beobachten. Daneben liegen hier noch kleinere Boote für den Binnenfischfang, kleinere und größere Jachten bis mehrmastige Segelschiffe. Hier ist etwas los.

Das Stadtbild prägen außerdem die vielen Fresken, die man an großen Fassaden, Garagentoren und an allen möglichen Orten finden kann. Die großen, wohl mit Zustimmung der Stadt gemalten Bilder haben oft einen Bezug zur Stadt, in den kleinen Gassen haben die Kunstschaffenden Platz sich in all möglichen Techniken und Motiven aus zu toben.

An mehreren Orten entdeckten wir diese 3 Personen, die oft später den Fresken hinzu gefügt wurden und meist einen Bezug zu dem anderen Bild herstellten oder Gegebenheiten der Fassade wie Leitungen oder Rohre integrierten.

In Frontignan-Plage angekommen

Gestern war Fahrtag und wir fuhren mal auf der einen, mal auf der anderen Seite des Kanal du Midi in Richtung Osten. Mittagspause machten wir in Villeneuve-de-Béziers. Das Lokal kannten wir schon von früheren Fahrten. Von der Bootsanlagestelle kann man gut erreichen. Selbst für unser Wohnmobil fand ich einen Parkplatz.

Villeneuve-de-Béziers

Für das letzte Stück nahmen wir die Autobahn. Hier sind wir am Kanal du Rhone, der ab Sête die Verlängerung des Kanal du Midi darstellt. Damit ist Bordeaux über Kanäle mit Amsterdam verbunden, über den Mittellandkanal Berlin und über die Donau das Schwarze Meer.

Nur so eine Gadankenspielerei am Rande. Wir sind hier in Frontignan-Plage, das von Frontignan durch den Kanal du Midi getrennt ist, bzw. über 2 Brücken mit ihr verbunden. Der Campingplatz ist einfach ausgestattet. Gestern Abend haben wir auf dem Weg Boule gespielt und heute Morgen haben wir 2 Waschmaschinen gefüttert und dank des Wetters ist auch schon wieder alles trocken.

Canal-du-Rhone

Nach der Wäsche sind wir noch einige Kilometer am Kanal du Midi entlang gefahren. Der Kanal führt hier durch einen großen See, einer Lagune mit verschiedensten Vögeln, u. a. Flamingos, die sich leider nicht in die Nähe der Menschen trauen. Möven sind da mutiger, an denen kann man bis zu 1 m an ihnen vorbei fahren. Die fliegen erst davon, wenn man anhält.