Bevor der Regen kam – oder: Kein Platz in Quimper

Freunde haben uns auf die Idee gebracht am Vormittag noch mal die Räder entlang des Canal Nantes à Brest laufen zu lassen. Danke, die Idee war gut.

Nach dem Frühstück haben wir alles zusammen gepackt und sind bis zu der Brücke gefahren an der wir gestern Kehrt gemacht haben. Flott waren die Räder ausgepackt und fahrtüchtig gemacht. Der Himmel war wechselhaft, die Regenwahrscheinlichkeit hielt sich in Grenzen.

Auch heute kurvte sich die Aulne durch die Landschaft. Gerade Strecken gab es eigentlich nie. Bei einer alten Brücke lag ein alter Kahn auf dem Trockenen, der sollte man durch die Schleusen gepasst haben?

Die Schleusen folgten einander regelmäßig, die Wärterhäuschen sehr gepflegt, eines war sogar zum Kauf ausgeschrieben. Auch heute suchten wir uns wieder eine Brücke zum Umkehren bzw. für einen weiteren Einstieg.

Am Wohnmobil angelangt, stellten wir fest, dass wir im Restaurant auch heute nichts zu essen bekommen. Es soll zwar morgen Generalstreik in Frankreich sein, das muss man doch nicht einen Tag vorher schon üben. Bis nach Quimper haben wir nichts gefunden, dann war der Camping Municipal proppe voll, so dass wir gleich wieder davon gefahren sind.

Bei einem Supermarkt gab es dann auch was zu essen für uns und die Einkäufe waren danach auch bald erledigt. Das Smartphone hat uns am Odet einen Campingplatz gefunden, nicht weit von Benodet weg, recht idyllisch, kaum Menschen. Ob man hier auch baden kann, wissen wir noch nicht, zum Nass-werden brauch man im Moment nur das Wohnmobil zu verlassen.

Canal de Nantes à Brest

Dieser Kanal führt über 360 km quer durch die Bretagne. Unterbrochen durch 367 Schleusen schlängelt sich der Wasserlauf durch die schönsten Täler der Bretagne: vom Erdre- über das Vilaine- bis hin zum Aulne-, zum Oust- und zum Blavet-Tal.

Der 1842 eröffnete Canal de Nantes à Brest war zeitweise für die Binnenschifffahrt zwischen Nantes in der Region Pays de la Loire und Brest in der Region Bretagne bedeutsam. Vor allem weil englische Kriegsschiffe den Transport entlang der Küste behinderten.

Schleusenwärter Haus

 Durch den Bau des Stausees von Guerlédan in den Jahren 1923–1930 wurde die Wasserstraße unterbrochen und ist seitdem nicht mehr durchgängig befahrbar. Wir waren heute auf dem westlichen Ende mit den Rädern unterwegs, startend von Châteaulin nach Pont Coblant.

Pont Coblant

Das war der erste Ort, den wir am Kanal erreichten, sonst gab es nur einzelne Stichstraßen zu den Schleusen. Diese schienen betriebsbereit, wir haben auf dem Stück aber keine Schiffe gesehen. Es gibt auch eine Infrastruktur für Kanufahrer, die ihre Boote um die Schleusen herum tragen müssen.

Landschaftlich war die Strecke sehr schön und es macht Laune, sie fort zu setzen.

Châteaulin

Wir sind gestern noch hier in Châteaulin gelandet. Das ist ein kleines Städtchen an der Aulne. Hier sind wir etwa 15 km vom Meer entfernt und hier existiert eine der ersten Schleusen auf dem Weg nach Nantes an der Loire. Das heißt, hier beginnt auch der von uns gesuchte Fahrradweg.

Heute Morgen hat uns ständiger Nieselregen im Wohnmobil gehalten. Gegen Mittag kam die Sonne heraus und wir unternahmen einen Spaziergang in den Ort. Die Aulne schlängelt sich hier in engen Kurven durch den Ort.

Heute am Sonntag ist hier große Kirmes, die Schaugeschäfte starteten gerade ihr Programm, deswegen war es schwierig aufnahmen vom Ort zu machen. Mehrere Brücken überqueren die Aulne. Am unteren Ausgang befindet sich ein Wehr und eine Schleuse.

Die Kirche wird gerade restauriert und teile leuchten hell „gekärchert“, das Dach wird mit neuen Schieferplatten gedeckt und auch hier, wie an anderen Orten der Stadt, gibt es Fotoausstellungen im Freien. – Ach ja, ich wollte euch noch ein Bild mit der bretonischen Flagge zeigen. Die Personen im Hintergrund sind nicht von mir persönlich da hin drapiert!

Von der Kakteengärtnerei nach Lampaul-Guimiliau

Manchmal liegen da so Handzettel rum, einer davon pries eine Kakteengärtnerei an. Bei der Planung der heutigen Tour stellten wir fest, dass sie auf unserem Weg liegt. Also schauten wir heute Vormittag vorbei und stellten fest, dass die Öffnungszeiten am Nachmittag lagen. Über eine Telefonnummer bekamen wir Kontakt und einer der Besitzer kam und lies uns herein.

So etwas habe ich noch nicht gesehen, noch größer wie im Frankfurter Palmengarten und alles frei ausgepflanzt. Über Tröpfchenbewässerung wird die Wasserzufuhr geregelt. Dadurch sieht man natürlich überall die Schläuche liegen.

Eigentlich ist die Zeit der Kakteenblüte vorbei, aber hier blühten selbst Echinocereen noch. Es sollen etwa 3 tausend Arten zu sehen sein. Die ältesten Pflanzen sind 40 Jahre alt und gehen durch die 5 m hohe Decke. Auch gab es einiges zu kaufen, die kleinen Pflanzen für 2 € das Stück.

Da heute ununterbrochen die Sonne schien, wurde es im Gewächshaus ziemlich warm und wir verabschiedeten uns schweren Herzens. Der Michelin-Führer Lampaul-Guimiliau 2 Sterne gegeben. Dabei handelt es sich um eine typisch bretonische Basaltkirche mit reichem Figurenschmuck.

Der Turm steht davor und ist unten offen, so dass eine Verbindung zwischen den Kirchhöfen entsteht. Innen wirkt die Kirche sehr hell und ein geschnitzter Holzbalken trennt den Kirchen- vom Altarraum ab. Nun war es nur noch ein kurzes Stück nach Süden, nach Châteaudin und dem Nantes-Brest-Kanal.

Brest

Letztes Jahr haben wir diese Stadt ausgelassen, da wir sie vor allem mit einem militärischen Stützpunkt der französischen Armee in Verbindung brachten. Kurze Zeit später musste ich erkennen, dass gerade hier mein Favorit unter den französischen Freskenmalern mehrere große Werke erschaffen hat.

Vom Campingplatz fuhren wir zum Küstenfahrradweg und mussten dort einige Kilometer an einem hoch-gesicherten Zaun oberhalb eines großen Industriegebietes mit Kranen, Lagern und riesigen Bunkern entlang.

die Penfeld mit dem Château

Dieses endet mit einem Flüsschen Penfeld, dass die Stadt durchschneidet. Hier befindet sich die Burg / Château in dem sich heute das Marinemuseum breit macht. Die Penfeld begünstigte ehemals den Bau eines Hafens, ist aber ziemlich lästig, wenn man sie überqueren muss, ein Nadelöhr, das man auf verschiedene Weise erweitert hat.

Zum einen gibt es eine moderne Hubbrücke über die auch die Eisenbahn rollt. Unten auf Flussniveau und mit dem Tidenstand gehend schwimmen 2 Brücken, die den PKW-Verkehr dienen und wie es uns erschien nur jeweils in einer Richtung benutzt wird.

Oben gibt es für den Personenverkehr noch eine Schwebebahn, die mit 2 Kabinen die beiden Flussufer verbindet. Mit denen sind wir natürlich gefahren, um den besonderen Blick auf den Hafen zu genießen.

Weiter östlich befindet sich dann der Yachthafen und der Handelshafen. Dort sahen wir auch ein schönes Fresko. Bei der Tourist-Information holten wir uns einen Plan für die weiteren Bilder, von denen wir einige besuchten.

Brest hat einiges zu bieten, inklusive dieses guten Campingplatzes, ist aber recht anstrengend und für Fahrradfahrer nicht immer einfach zu befahren.

An der bretonischen Küste

Nachdem wir mit dem Campingplatz bei Roscoff nicht sehr zufrieden waren, fuhren wir heute weiter. Es sollte ein richtiger Fahrtag werden mit einigen Stopps unterwegs. Das Titelbild hatte ich noch gestern Abend kurz vor Sonnenuntergang gemacht.

Heute Morgen gab es gleich nach dem Start Artischocken. Überhaupt wird hier viel Gemüse angebaut. Früher sind die Bauern damit rüber nach Britannien und haben sie ( vor allem Zwiebeln) als Fliegende Händler verkauft.

Unser erster größerer Stopp fand in Le Folgoët statt. Diese Basilika ist bekannt wegen ihres äußeren Figurenschmucks und ihren Rosettenfenstern. Es ist schon erstaunlich wie fein die Steinmetze den Basalt bearbeitet haben.

Unser erster größerer Stopp fand in Le Folgoët statt. Diese Basilika ist bekannt wegen ihres äußeren Figurenschmucks und ihren Rosettenfenstern. Es ist schon erstaunlich wie fein die Steinmetze den Basalt bearbeitet haben. – Danach haben wir uns neben dran gestärkt: 3 Gänge mit Wein, Brot, Wasser und Kaffee für 16 € p.P.

Von dort ging es an die Côte d`Argenton. Eine Straße fährt über 15 km direkt an der Küstenlinie entlang und viele Parkplätze laden zum Anhalten ein. Dazu bot das Wetter uns ein besonderes Spektakel, denn mehrere Schauer zogen über uns hinweg. Die kamen so schnell, dass wir uns niemals weiter vom Wagen trauten. Aber kurz darauf schien die Sonne wieder.

Auf unserem Weg kamen wir an mehreren Aber vorbei, dass sind Meeresarme, die weit ins Land hinein ragen und Ebbe und Flut aufweisen. Also ähnlich wie die Fjorde in Norwegen nur etwas kleiner.

Auf dem letzten Stück nach Brest besuchten wir noch den Menhir Kerloas. Er ragt fast 10 m aus dem Boden heraus, wiegt wohl zwischen 10 und 15 Tonnen, ist 5000 Jahre alt und man kann ihn über 30 km hinweg sehen. Er ist der größte frei stehende Menhir Frankreichs.




Roscoff

Wir sind am Meer. Es war zwar nicht weit bis hier her, aber hier hören wir das Rauschen des Meeres. Wir stehen an der letzten Düne und es sind nur ein paar Schritte und man steht im weißen Sand.

Da es kein offizieller Badestrand ist, liegen auch überall Algen herum, also ganz natürlich. Es ist aber auch kein Müll zu sehen. Der Strand läuft flach ins Meer hinein, immer wieder strecken sich Halbinseln ins Meer oder liegen schafe Felseninseln in der Gegend, besser im Wasser, herum.

Bis Roscoff müssen wir nur eine Bucht entlang fahren. Heute trieb uns der Wind heftig vor sich her.

Im Ort ist es windmäßig geschützter, ruhiger, dafür hielten sich viele Touristen auf der Einkaufsstraße auf, vor allem Franzosen. Immer mal wieder leerte sich die Straße schlagartig, wenn ein erneuter Regenschauer den Sonnenschein vertreibt. Man könnte meinen, die wären von den Geschäftsleuten bestellt. Ohne Regenkleidung geht hier gar nichts, dennoch sucht man kurz Schutz und in ein paar Minuten scheint die Sonne wieder. Einen so schnellen und häufigen Wechsel haben wir noch nie erlebt.

Roscoff erscheint bretonisch Grau, manchmal sind Fensterläden Weiß oder Dunkelblau angestrichen. Immer mal wieder finden sich mittelalterliche Figuren an den Häusern. Ein paar Blumen leuchten als Farbtupfer und in den Gärten sind häufig Palmen, Bananen und Yuccas zu sehen. Ein Zeichen, dass die Winter nie richtig kalt sind.

Fahrt nach Carantec

Von unserem Berg mussten wir hinunter an den Hafen von Morlaix. Das Flüsschen heißt auch Morlaix, der sich dann in die Bucht von Morlaix ergießt. Gießen, das ist auch das Stichwort für den heutigen Tag, denn kaum hatten wir die Uferstraße erreicht, fielen die ersten Regentropfen.

Ein großer Maronenbaum hielt das meiste ab. Schauer dauern ja meist nicht lange an, aber als wir gerade auf den Sätteln saßen ging es von vorne los. Wir ließen uns aber davon nicht abschrecken. Dem blauen Himmel entgegen und Streetart-Kunstwerken vorbei steuerten wir auf den westlichen Ausgang der Bucht zu.

Auffallend ist eine Kette von Inseln, die die Bucht abschließen. Auf einer steht eine Burg, auf einer anderen ein Turm. Damit war Morlaix von Seiten des Meeres her gut geschützt. Carantec liegt auf einer Halbinsel, hat einen Hafen und viele Häuser scheinen Wochenendhäuser zu sein.

Heute am Montag waren wir froh eine Pizza zu bekommen. Die Furt am Hafen, die auf eine der vorgelagerten Inseln führt, stand schon wieder unter Wasser. Ein Blick zum Himmel lies uns grübeln, ein heller Blitz lies uns ein Buswartehäuschen aufsuchen, aber nichts passierte.

Also beschlossen wir heim zu fahren. Vor uns Morlaix schien gerade aus einer heftigen Schauer aufzutauchen, also nicht zu schnell fahren und die Sonnenstrahlen genießen. So kamen wir trocken beim Wohnmobil an und räumten die Fahrräder leer, gerade rechtzeitig bevor uns ein heftiger Schauer traf. Keine Ahnung woher der kam, denn gerade hatte noch die Sonne geschienen, wie jetzt auch. Bretonisches Wetter halt.

Morlaix / Hafen

Morlaix

Eine Wetter-App in der Bretagne ist total nutzlos, so schnell wie sich hier Regen und Sonnenschein ablösen, kann keine App reagieren. Die KI sagt, nütze deine natürliche Intelligenz und finde dich damit ab. Das zu unserem ersten Eindruck von Morlaix und der Fahrt hier her.

Wer in diese Gegend kommt sollte sich aber den Campingplatz merken: Camping Le Verger de Morlaix. Klein, gemütlich mit neuen Sanitäreinrichtungen, WiFi überall auf dem Platz und gerade mal 3 km vom Zentrum entfernt.

Da kommen wir gerade her. Die Eisenbahnlinie nach Brest überspannt seit 1865 den Ort auf einem 58 m hohen Viadukt. Im Norden her kann man mit dem Boot bis in einen Hafen fahren, die Zuflüsse dagegen sind überdeckelt und werden als Parkplätze genutzt.

Ein Prospekt lud uns zu einem innenstadtnahen Rundgang ein. Bei einem schönen Graffiti stiegen wir bis zur ersten Etage des Viaduktes hoch. Auf dieser Höhe kann man das Tal überqueren und hat einen schönen Blick.

Dann ging es wieder hinunter in die Altstadt mit vielen Fachwerkhäusern, interessanten Läden und einigen Fresken. Ein kurzer Schauer lies uns in einem netten Café Schutz suchen. Kurz darauf schien die Sonne wieder und wir vollendeten unseren Rundgang. Ohne Befestigungsanlagen macht die Stadt einen friedlicheren Eindruck.

Aquarium von St. Malo

Der Wetterbericht machte uns nicht Mut für eine Fahrradtour, außerdem mussten wir noch etwas einkaufen, also nahmen wir das Wohnmobil und fuhren in Richtung St. Malo. Gudrun hatte heraus gefunden, dass es dort ein großes Aquarium gibt. Und was kann es bei Regenwetter besseres geben, als sich ins Wasser zu begeben.

Und das taten wir im wahrsten Sinne des Wortes. Zuerst beobachteten wir in einem Freibecken Rochen und ihre Jungtiere. Aber dann wurden wir eingeladen in die Tiefe der Meere abzutauchen. Wir bestiegen die Gondel einer „Geisterbahn“, nur mussten wir dazu eine kleine Wendeltreppe innerhalb der Gondel hinabsteigen.

Und schon sahen wir die Fische schuppennah vor den Fenstern vorbei streichen, dabei bewegte sich die Gondel vorwärts. An anderer Stelle bestiegen wir einen Aufzug, die Kabine rumpelte und die an den Fenstern vorbei ziehenden Bilder verstärkten die Illusion immer weiter bis hinunter auf den Meeresgrund zu gelangen. Einfach gut gemacht.

In einem anderen Raum gelangten wir in die Mitte eines Aquariums und die Fische schwammen im Kreis um uns herum. Natürlich gibt es auch die üblichen in die Wand eingelassenen Aquarien, die sehr abwechslungsreich ausgestaltet waren und mit interessanten Pflanzen und Tieren aus allen Meeren bestückt waren.