Cool Spring Station

Nein, zum Tanken sollte man hier nicht anhalten, auch nicht für Alkohol. Der Name gibt mehr die heutige Bestimmung wieder: Kühle Getränke in der Wüste, das ist doch was!

Sie fahren von Kingman von der IS 40 ab und nehmen den Oatman Highway West. Zuerst kommt man noch an einigen Farmen vorbei, aber dann wird es immer trockener und man nähert sich einem Höhenzug, rechts der Mt. Nutt Wilderness, links der Warm Springs Wilderness und da zwischen der Sitegreaves Pass 1093m=3600ft hoch.

Aber so weit sind wir noch nicht, denn mitten in einer wüstenähnlichen Landschaft steht am Straßenrand diese Tankstelle, der Zapfsäulen nur noch Attrappe sind. Einige Bänke stehen im Schatten des großen Daches in innen entdecken wir ein herrliches Sammelsurium von Snacks, Getränken und Souvenirs. Hier hat jemand ein historisches Zeugnis der legendären Route 66 am Leben gehalten und ihm eine neue Chance eingeräumt. Hier zeigt sich mal wieder, dass die Route 66 eigentlich nicht eine Straße meint sondern die Menschen, die an ihr leben. Man muss aussteigen, sie entdecken, manchmal schmunzeln mal bewundern, aber über all gibt es was zu erleben.

Zu mal wenn man von der Natur begeistert ist und nach dem „Kaffe“ den gegenüber liegenden Hügel besteigt. Denn dort sieht man bereits von Weitem Kakteen.

Zwischen Santa Fe und Amarillo

Wir verabschiedeten uns von der großartigen Landschaft der Rocky Mountains und fahren hinaus in die Great Plains. Noch sind wir auf der nördlichen Route der historic Route 66. Es ist nicht viel los auf der Straße, die Weiden rechts und links sind eingezäunt, aber weit und breit keine Kuh, keine Farm.

Da wir schon häufig direkt am Straßenrand Interessantes gefunden haben, passen wir auf. Schnell fahren ist eh nicht erlaubt. Immer mal wieder steht eine Cylindroopuntia imbricata direkt am Zaun, da neben ein Meer von kleinen Astern.

Am Nachmittag erreichen wir Texas und damit den Interstate Higway, den wir aber überqueren und parallel dazu auf der historic Route weiter fahren. Wie zur Begrüßung stehen am Hang eines trockenen Baches Kakteen: Opuntien und Echinocereen.

Auf der „Old Route 66 von Barstow zum Colorado

Bevor wir uns das lange Stück durch die Mojawe-Wüste vornehmen, biegen wir kurz nach Barstow auf die IS 15 Nord ab, um nach wenigen Kilometern die Ghost-Town Calico zu erreichen. Für Besucher der Ghost-Town ist der Campingplatz frei.

Die ehemalige Ortschaft ist abgebrannt, so hat man aus der Umgebung alles Verfügbare zusammen getragen und hat damit dieses Ensemble aufgebaut. Mit etwas Fantasie kann man sich vorstellen, wie die menschen in den Goldrausch-Zeiten gelebt hatten. Dafür sollte man vor Ort übernachten, um bei Öffnung des Parks da zu sein. Später stehen die Busse zuhauf vor dem Eingang und das Feeling ist wie in jedem anderen Freizeitpark.

Spaß hat die Fahrt mit der kleinen Dampfbahn gemacht, da der Lokführer uns über eine Lautsprecheranlage viel über den Ort und das ehemalige Leben hier in der Gegend erzählte. Man muss sich etwas Zeit nehmen, um die Kleinigkeiten zu entdecken, wie einen Badezuber eines Chinesen, der hinter einem haus im Freien steht.

Dann geht es aber weiter, das heißt ein Stück zurück, um zur IS 40 zu gelangen. Die alte Route 66 heißt hier National Trails Hwy und verläuft zu erst nördlich, später südlich des IS 40 meistens entlang den Gleisen der BNSF Eisenbahngesellschaft. Deren kilometerlange Züge etwa alle 10 Minuten zu beobachten sind.

Die Gegend ist eine der trockensten Wüsten der USA. Die Pflanzen sind nicht all zu dicht gesät, aber bei einem Stopp konnten wir doch etliche schöne Exemplare finden. – Die Straße senkt sich langsam hinunter zum Colorado River, der bei Needles so gar nichts mehr vom Grand Canyon an sich hat. Viel Wasser wird für die Landwirtschaft abgezapft, so dass kaum noch was nach Mexiko hinein fließt. Wer kann es den Mexikanern verdenken, dass sie dort hin streben, wo das Wasser her kommt.

Kakteenreise in die USA

Die herbstliche Stimmung da draußen lässt meine Gedanken in wärmere Gefilde schweifen. Wer an eine Reise in die USA denkt, denkt selten vorrangig an Kakteen. Die USA hat ja auch so viel mehr zu bieten. Trotzdem lässt sich das meist ganz gut miteinander verbinden.

am Cajon-Pass

Wir hatten nie Standortlisten oder GPS-Daten dabei. Man entwickelt schnell ein Gespür, wo Kakteen stehen könnten. Was nicht geht ist eine geführte Bustour oder auch eine fahrt mit dem Greyhound Bus oder der Eisenbahn. Man sollte spontan anhalten können, so verbietet sich auch der Interstate Highway, aber mit Mietwagen und übernachten im Motel, einem Zelt oder im Wohnmobil, das geht immer. Wobei Zelt und Wohnmobil die Möglichkeit bietet in der Natur selbst zu übernachten. Das ist ein einmaliges Erlebnis und Stateparks gibt es im Abstand von bequemen Tagesetappen über all in den USA und die besitzen alle Campgrounds, die aber in der Ferienzeit der US-Amerikaner vorgebucht werden müssen, wenigstens einen Tag vorher, damit man nicht plötzlich vor dem Tor steht.

Hier ein paar Bilder von dem klassischen Route 66 Trip, diesmal von Los Angeles nach Chicago. Das ist im Frühjahr geschickter, denn es ist in LA noch nicht so heiß und wenn man in Chicago ankommt, ist es dort nicht mehr so kalt.

Mamillaria tetrancistra

Das erste Bild stammt vom Cajon Pass, dort am Rande der Eisenbahngeleise stehen schöne Opuntien.

Richtig los gehen tut es mit den Kakteen, wenn man den Rio Grande überquert hat und auf der historic R 66 in die Berge fährt. Das zieht sich hin bis Kingman.

am Walnut-Canyon

Eine ganz andere Vegetation findet man bei Flagstaff im Walnut-Canyon, dort ist man an die 2000m hoch und man läuft im Wald.

Echinocereus fendleri

Der nördliche Teil des Petrified Forest nennt sich Painted Desert, da fanden wir Echinocereus fendleri und wieder ein Stück ostwärts bei Grant in den Lavafeldern den coccineus. New Mexiko ist so sehenswert, dass ich hier nicht anfangen möchte zu erzählen, sonst finde ich kein Ende. Was aber auch am Weg liegt ist bei Amarillo (Texas) der Palo Duru Canyon mit schönen Wanderwegen.

Echinocereus coccineus

Und zum Schluss noch unser letzter Standort an der Serviceroute südlich der Interstate bereits im Staate Oklahoma.