Perpignan

Starten wir mit einem Foto direkt vom Wohnmobil mit dem Mont Canigou und seinen 2785m Höhe der markanteste Gipfel der Region ist.

Das letzte Mal waren wir mit dem Zug in diese Stadt gefahren, jetzt waren es 9 km mit den Fahrrädern. Vom See, wo unser Campingplatz liegt führt fast geradeaus ein Fahrradweg, meistens auf eigener Trasse, mal als Fahrradstreifen direkt in die Stadt hinein.

Da wir aus einer anderen Richtung kamen und unsere Fahrräder zum Teil schiebend durch die teils engen Einkaufsgassen schoben, lernten wir Perpignan von einer ganz anderen Art kennen. Die vielen kleinen Geschäfte waren interessant. Auf den Plätzen hatte die Gastronomie schon Tische und Stühle aufgestellt, wo wir dann auch im Freien zu Mittag aßen.

An dem Bachlauf Basse erinnerten wir uns an die Schönen Streetart-Bilder. Die waren alle weiß übermalt, teilweise mit Veranstaltungsplakaten beklebt. Einfach traurig. Darauf suchten wir unseren Heimweg. Auch hier half uns das App Osmand weiter. Geschickt, wenn man auf keinen Internetanschluss angewiesen ist. Wir haben uns die Karte Westokzitanien (westl. Pyreneen) herunter geladen und das funktioniert auch mit dem Fahrrad gut.

Wir kamen an der alten Festung vorbei, die mitten in der Stadt auf einem Hügel liegt. Hier ist es sehr ruhig. Weiter abwärts kamen wir in den Industriegürtel, fuhren am Fiathändler vorbei und warten bald auf unserer Voie Verte nach Villeneuve-de-Raho. Im See versuchten noch einige wenige Angler etwas fürs Abendbrot aus dem See zu holen. Kurz darauf waren wir im Wohnmobil, Fahrräder aufladen und Füße hoch legen.

Wenn einer eine Reise tut…

Vorne weg, wir sind bei Perpignan an einem See, 2 Tage früher wie geplant und nicht wie geplant in Le Boulou, direkt an der Grenze. Wie es dazu kam?, alles der Reihe nach.

Am Freitag sind wir gut und früh weg gekommen. Die Fahrt nach Colmar verlief gut, ganz ohne Stau und das Navi wies uns den Weg bis vor den Campingplatz. Der machte einen sehr verschlafenen Eindruck, kein Mensch da, auch keine Wohnmobile. Gegen der Information auf der Homepage war geschlossen. Zum Glück hatte ich eine Alternative heraus gesucht, „ganzjährig geöffnet“, nur 170 km weiter in Besancon. Der war eine Baustelle, niemand da, den man fragen konnte, also weiter.

Langsam wurde es dämmrig, aber ich hatte mal ein C in die Landkarte bei Quingey an der Loue gezeichnet. Schon fast überraschte uns, dass dort nicht nur Wohnmobile auf dem Platz standen, sondern uns nach mehrfachem Läuten aufgemacht wurde. Wir hatten einen Platz und Strom zum Heizen, denn es wurde heftig kalt. Der Ort ist klein und gemütlich, da sind wir nicht zum letzten Mal gewesen.

Als es dämmerte sahen wir nach draußen und mussten feststellen, dass es vor kurzem angefangen hatte zu schneien. Schnell standen wir auf und machten uns fertig, dieses Mal Katzenwäsche. Kaum hatten wir den Ort verlassen stand am Straßenrand, dass bis zum 31. März für die nächsten 48 km hier im Jura Winterreifenpflicht besteht. Was tun? Weiter, vorsichtig und wirklich mit den Kilometern ließ der Schneefall nach, ging in Regen über und bald hatten wir eine trockene Straße unter den Reifen.

Wir waren ja früh aufgebrochen, so saßen wir zum Mittagessen in einer Bäckerei bei Montellimard, also schon mitten in der Provence. Ein Etappenziel war Avignon, das uns aber viel zu nah vorkam, also weiter auf der Autoroute. Hinter Arles leuchtete plötzlich eine Warnlampe auf. Wie ich auf einem Rastplatz heraus fand, haben wir Probleme mit der Einspritzpumpe, können aber bei eingeschränkter Leistung weiter fahren.

Das Internet fand für uns eine Werkstätte hier in Perpignan. Nach einer ruhigen Nacht erfuhren wir heute, dass im Moment in der Werkstatt die Computer ausgefallen sind und man uns als frühesten Termin am Freitag Morgen dran nehmen könnte. Im Moment haben wir 14° und Sonnenschein und wir bleiben noch ein Bisschen.

Perpignan

Wir stehen hier direkt an einer Bahnlinie und der Bahnhof ist nicht weit, also, warum nicht mit dem Zug nach Perpignan fahren und wenn schon, dann gleich mit dem Fahrrad. Die Tickets konnte ich schon am Vortag lösen, 1€/Person und das selbe noch mal zurück. Über die Mitnahme der Fahrräder konnte ich nichts in Erfahrung bringen, aber wie es sich zeigte kamen die auch umsonst mit.

Die etwa 20 Minuten Fahrt gingen flott vorbei und ebenerdig schoben wir die Fahrräder in die Stadt. Ein Stadtplan befand sich am Bahnhof und so kannten wir schon mal die Richtung in die wir uns halten mussten. Vorneweg: Perpignan ist noch keine Fahrradstadt. Immer mal wieder trifft man auf ein Schild für einen Fahrradweg, der sich dann genauso plötzlich auflöst, wie er begonnen hat.

Perpignan ist die Hauptstadt der französischen Catalanen. Gelb-Rot-Gelbe Fahnen sieht man häufig und alle Straßen sind zweisprachig beschildert. Quer durch die Stadt verläuft ein Bach, den man schön bepflanzt hat. Hochwassersicher begrenzen ihn breite Fußwege und Außengastronomie. Hier ist es richtig schön.

In der Passage der Markthalle besorgten wir uns Tapas und waren ganz begeistert von so etwas Einfachem wie Kartoffeln mit kross geröstetem Schinken und Curry-Mayonaise. Um das abzurunden gab es noch Champignons und Miesmuscheln. Tanzende gehören einfach ins Stadtbild, denn die Sardana ist der Nationaltanz, der in einem großen Kreis getanzt wird. Danach bummelten wir noch etwas durch die Gassen, sahen stattliche Häuser, zum Teil im Jugendstil, aber auch ein Viertel, das ziemlich herunter gekommen ist. Hier sahen wir viele Nordafrika-stämmige und Polizei auf Rädern begegneten uns mehrfach.

Insgesamt hat uns Perpignan gefallen. Als wir dann beim Bahn zurück waren, mussten wir feststellen, dass wegen Bauarbeiten vorerst kein Zug fuhr. Wir könnten ja den Bus nehmen. Der aber noch eine Stunde auf sich warten ließ, probierten wir die Smartphone-App Kommot aus. Ich gab unser Ziel ein und das Programm suchte uns einen gut fahrbaren Weg aus, den wir so nie gefunden hätten.