Die ideale Kakteengröße

Cereus peruvianus

In meiner Facebook-Gruppe werden immer wieder begeistert Fotos von Kakteen aus dem Baumarkt gepostet. Oft sind es zukünftige Säulen. Der nächste Schritt ist dann, die Community zu fragen, was das denn für ein Kaktus ist.

Trichocereus

Liebe Kakteenretter/Innen, ihr braucht nicht den Großmarktbesitzer vorm Ruin zu rette, der macht nur ein Geschäft mit euch. Wie wäre es, wenn ihr vor einem Kakteenkauf im Internet recherchiert oder, was ich immer noch lieber tue, in einem Fachbuch nach Gattung und Arten schaut, die euch gefallen würden, und im nächsten Schritt euch nach dem Wuchsverhalten und Standortbedingungen erkundigt. Das würde Sie vor großen Enttäuschungen bewahren und damit auch ihrem Kaktus ein glückliches Leben bescheren.

Oreocereus celsianus

Noch mal zu den kleinen Säulen: die sind bei den Händlern so beliebt, weil sie recht wüchsig sind und schon nach einem Jahr verkauft werden können. Dann sind sie zwar ziemlich getrieben, zu sehen an der dünnen Basis, werden bei guter Pflege aber weiter zügig wachsen. Säulenkakteen mit einigen Metern Höhe sind in der Natur normal.

Dabei brauchen die meisten viel weniger Jahre wie eine Carnegia gigantea, die bei mir nach 40 Jahren gerade mal 30 cm hoch ist, aber im letzten Jahr zum ersten Mal richtig los gelegt hat. Cereen im Freibeet haben bei mir schon mal 25 cm im Jahr zugelegt. Dann kann man sich schnell ausrechnen, wann die Decke erreicht ist. Und was dann? Davon abgesehen, sehen viele Säulen nicht mal schön aus, Ausnahmen abgesehen, wie Oreocereus celsianus oder Cleistocactus strausii, um nur mal 2 Beispiele zu nennen. Wenn ich nun weiß, wie groß die Pflanzen werden, wie zügig sie wachsen und ich den Platz dafür habe, dann kann ich getrost kaufen, dann kann ich nichts mehr falsch machen.

Sulcorebutia langeri

Zum Schluss noch eine für mich unerwartete Erkenntnis. Ich bestellte mir eine Reihe Stecklinge der Gattung Rebutia weil ich für so kleine Pflänzchen Platz hatte. Die haben sich alle gut bewurzelt, blühten und kindelten fleißig und nach wenigen Jahren sprengten sie mir die 11er-Töpfe. In so große Töpfe wollte ich sie gar nicht kultivieren. Mir gefallen sie immer noch, muss sie aber alle 2 Jahre verkleinern.

Es sind aber nicht nur die Säulen, die uns Probleme bereiten können. Ein hübscher kleiner Ferokaktus oder ein Trichocereus haben das Bedürfnis eine große Schale schnell auszufüllen, die dann nicht mehr aufs Fensterbrett passt und nebenbei etliche Kilo wiegt, denn die Kugeln bestehen ja fast ausschließlich aus Wasser, was ziemlich ins Kreuz gehen kann. Beliebt sind auch die Epiphyllen, jetzt oft Epikakteen genannt. Zuerst bekommt man nur ein Blatt zum Bewurzeln, denn die Blühen ja so schön. Richtig, aber das werden ausgemachte Kübelpflanzen und nur dann kann man reichen Blütenflor erwarten.

Die ideale Kakteengröße, so begann ich, ist die, die mit dem vorhandenen Platz gut auskommt, wobei man die zukünftige Entwicklung im Auge hat. Wenn das passt, hat man auch viel Freude an seinen Pflanzen.

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