Aussaat von Kakteen

Warum sollte man das tun, es gibt doch so viele Pflanzen zu kaufen! Zum einen ist das Aufbauen einer Sammlung so viel billiger. Zum anderen macht es viel Spaß den Pflanzen beim Heranwachsen zuzusehen. Aber damit es wirklich ein Spaß wird, sollte man einige Dinge beachten:

Über die Samenernte, Aufbewahrung und Beschriftung habe ich schon mal geschrieben. Jetzt sollte der Samen auf Sauberkeit geprüft werden. Reste der Beere am Samen könnte uns später Schimmel oder Bakterien bescheren. Finden wir so etwas, sollte man den Samen in ein Gefäß mit Wasser schütten, warten bis sich die Beeren-Reste aufgelöst haben, alles gut schütteln und dann das Wasser mit den Beeren-Resten vorsichtig abgießen. Der Samen wird auf ein Küchentuch auf das Fensterbrett geleert, wo sie schnell trocknen.

Für die Aussaat sollten man absolut saubere Töpfe verwenden, also entweder neue kaufen oder die gebrauchten in sehr heißem Wasser reinigen. In den Geschirrspüler habe ich mich noch nicht getraut sie zu packen.Die Größe der Töpfe richtet sich nach der Samenmenge. Ich verwende quadratische 6er-Töpfe für etwa 20 Korn. Dann können sie gut 1 Jahr dort bleiben. Größere Töpfe könnte man durch Hölzchen in Fächer unterteilen, aber Vorsicht: Die Samenkörner reißen gern mal aus.

Dann muss Aussaat-Erde gekauft werden. Manche habe da ihre spezielle Mischung, andere nehmen die aus dem Baumarkt. Ich verwende rein mineralisches Substrat auf der Grundlage von Bims. Auf humoser Erde bildet sich leicht Moos, das die Sämlinge verdrängt.

Im nächsten Schritt sollte man für jede Samenportion ein Schildchen schreiben. Bleistift auf Polystyrol ist recht langlebig. Wer auf Nummer sicher gehen möchte und im nächsten Jahr wieder aussäen, für den lohnt sich auch ein beheizbares Anzucht-Gewächshaus. Die passen meist auf die Fensterbank.

Aufgehangen unter das Gewächshausdach geht es auch

Dann kann es los gehen: Substrat bis 1 cm unter den Rand des Topfes füllen, den Samen AUF das Substrat verteilen und die mit 2 mm großen Quarzkies dünn abstreuen. Schildchen hinein stecken. In das Anzuchtgewächshaus stellen oder die Töpfe mit einer Frischhaltefolie verschließen. Die Töpfe werden von unten mit lauwarmen Wasser angegossen bis das Substrat oben feucht aussieht.

nach einem Jahr

Besondere Verfahren sind noch das Beizen von Samen. Die Mittel mit Anwendungsbeschreibung bekommt man beim Kakteenfachhandel. Früher wurde häufig noch Chinosol ins erste Wasser gegeben, um alles keimfrei zu halten. Das gibt es nun nicht mehr zu kaufen. Wer bis zu diesem Punkt sauber gearbeitet hat, kann auch darauf verzichten.

nach 3 Jahren zum Teil blühfähig

Jetzt sollte unsere Aufzucht bei etwa 25°C an einem hellen Platz stehen und die ersten 2 Wochen oberflächlich nicht abtrocknen, dann zeigen sich je nach Art in etwa 6 Tagen die ersten Keimlinge.

Kakteenholz

Kakteenholz? da wird sich so mancher fragen, was ist das denn?, bei meinen Mammillarien gibt es kein Holz, wenn die mal faulen, dann ist inner drin alles Matsch und außen, die Epidermis mit den daran sitzenden Dornen kann das nur mit Mühe zusammen halten.

Richtig!, es sind nur die Säulenkakteen, die im Innern holzartige Zellen ausbilden. Die kleineren Pflanzen haben das nicht nötig. Einige kurzsäulige Pflanzen neigen aber dazu im Winter, wenn sie trocken stehen, Bauchfalten zu bekommen. Notokaktus horstii ist da ein typisches Beispiel. Da wird der Kopf zu schwer für den Rest des Körpers, es fehlt das Rückgrad, oder besser gesagt: das Kakteenholz. Säulenkakteen könnten ohne diese Holzschicht überhaupt nicht senkrecht stehen. Diese wird im Bereich der Leitbündel gebildet und sind in den Aufgabenbereich des Wasser- und Nährstofftransportes involviert.

Wenn der Säulenkaktus abstirbt, vertrocknen zu erst die mit Wasser gefüllten Zellen außen um die Leitbündel so wie die im Innern des Holzkranzes. Es bleibt also nur das Kakteenholz übrig. Die Bewohner der Kakteengegenden machen sich das zu nutze, indem sie das Kakteenholz sammeln, Zäune und Hütten damit bauen.


Als Souvenir werden manchmal „Rainsticks“ angeboten. In die Löcher des Hohlen Holzes werden Kakteendornen mit der Spitze nach innen gesteckt, Sand und feiner Kies eingefüllt und die Enden verschlossen. Wenn man das Kakteenholz kippt rieselt der Sand durch das Rohr und gegen die Dornen, was wie Regen klingt.

Wenn dafür wirklich abgestorbene Kakteen genommen werden, kann man nichts dagegen einwenden, ich befürchte nur, dass die Nachfrage nach solchen Sticks größer ist wie das natürliche Aufkommen an Totholz, und dann werden für die Touristen fleißig Kakteen abgeholzt (ob aus der Kultur oder der Natur, das kann wiederum kaum jemand kontrollieren).

hübscher Hingucker in einer Schale oder auf dem Beet. Aber Achtung, nass werden sollten sie nicht, dann lösen auch die sich mit der Zeit auf.

Ein letzter Hinweis noch: Kakteenholz ist nicht gleich Kakteenholz. Vor allem unterscheiden sie sich im Muster der Löcher, vor denen sich einst die Areolen mit den Dornen befanden.


Die ideale Kakteengröße

Cereus peruvianus

In meiner Facebook-Gruppe werden immer wieder begeistert Fotos von Kakteen aus dem Baumarkt gepostet. Oft sind es zukünftige Säulen. Der nächste Schritt ist dann, die Community zu fragen, was das denn für ein Kaktus ist.

Trichocereus

Liebe Kakteenretter/Innen, ihr braucht nicht den Großmarktbesitzer vorm Ruin zu rette, der macht nur ein Geschäft mit euch. Wie wäre es, wenn ihr vor einem Kakteenkauf im Internet recherchiert oder, was ich immer noch lieber tue, in einem Fachbuch nach Gattung und Arten schaut, die euch gefallen würden, und im nächsten Schritt euch nach dem Wuchsverhalten und Standortbedingungen erkundigt. Das würde Sie vor großen Enttäuschungen bewahren und damit auch ihrem Kaktus ein glückliches Leben bescheren.

Oreocereus celsianus

Noch mal zu den kleinen Säulen: die sind bei den Händlern so beliebt, weil sie recht wüchsig sind und schon nach einem Jahr verkauft werden können. Dann sind sie zwar ziemlich getrieben, zu sehen an der dünnen Basis, werden bei guter Pflege aber weiter zügig wachsen. Säulenkakteen mit einigen Metern Höhe sind in der Natur normal.

Dabei brauchen die meisten viel weniger Jahre wie eine Carnegia gigantea, die bei mir nach 40 Jahren gerade mal 30 cm hoch ist, aber im letzten Jahr zum ersten Mal richtig los gelegt hat. Cereen im Freibeet haben bei mir schon mal 25 cm im Jahr zugelegt. Dann kann man sich schnell ausrechnen, wann die Decke erreicht ist. Und was dann? Davon abgesehen, sehen viele Säulen nicht mal schön aus, Ausnahmen abgesehen, wie Oreocereus celsianus oder Cleistocactus strausii, um nur mal 2 Beispiele zu nennen. Wenn ich nun weiß, wie groß die Pflanzen werden, wie zügig sie wachsen und ich den Platz dafür habe, dann kann ich getrost kaufen, dann kann ich nichts mehr falsch machen.

Sulcorebutia langeri

Zum Schluss noch eine für mich unerwartete Erkenntnis. Ich bestellte mir eine Reihe Stecklinge der Gattung Rebutia weil ich für so kleine Pflänzchen Platz hatte. Die haben sich alle gut bewurzelt, blühten und kindelten fleißig und nach wenigen Jahren sprengten sie mir die 11er-Töpfe. In so große Töpfe wollte ich sie gar nicht kultivieren. Mir gefallen sie immer noch, muss sie aber alle 2 Jahre verkleinern.

Es sind aber nicht nur die Säulen, die uns Probleme bereiten können. Ein hübscher kleiner Ferokaktus oder ein Trichocereus haben das Bedürfnis eine große Schale schnell auszufüllen, die dann nicht mehr aufs Fensterbrett passt und nebenbei etliche Kilo wiegt, denn die Kugeln bestehen ja fast ausschließlich aus Wasser, was ziemlich ins Kreuz gehen kann. Beliebt sind auch die Epiphyllen, jetzt oft Epikakteen genannt. Zuerst bekommt man nur ein Blatt zum Bewurzeln, denn die Blühen ja so schön. Richtig, aber das werden ausgemachte Kübelpflanzen und nur dann kann man reichen Blütenflor erwarten.

Die ideale Kakteengröße, so begann ich, ist die, die mit dem vorhandenen Platz gut auskommt, wobei man die zukünftige Entwicklung im Auge hat. Wenn das passt, hat man auch viel Freude an seinen Pflanzen.