Wir waren auf der Rückfahrt nach Dallas-Fort Worth, um dort wieder unseren Flieger zu besteigen. Zum Glück hatten wir so viel Zeit, dass wir die südlichere Tex Hwy 765 statt dem Interstate Highway benutzen konnten.

Durch leicht hügelige Landschaft für die Straße fast schnur-gerade-aus. Alle halbe Stunde kam uns ein Wagen entgegen, man grüßt sich und schon war man wieder allein. Die Randstreifen sind immer sauber und kurz geschnitten. Dann folgt oft ein Graben und danach ein weiterer Grünstreifen. In Cuba und in Brasilien werden diese Streifen als Weide für die Kühe von Kleinbauern genutzt, aber die gibt es hier nicht. Den Abschluss bildet immer ein Stacheldrahtzaun, dort kann wegen der Pfosten nicht so gründlich gemäht werden. Dort stehen dann die Kakteen. Noch besser ist es, wenn die Straßenbauer einen Hügel abgeschnitten haben und so eine Schicht unter der Humusdecke frei gelegt haben. Da lässt es sich ganz schwer mähen und zwischen dem Geröll ist der Konkurrenzdruck zwischen den verschiedenen Arten nicht so groß.
Ich fuhr so 45 Meilen in der Stunde und genoss den Tag, bis ich glaubte, am Straßenrand etwas rosa blühen gesehen zu haben. Es hat etwas gedauert, bis ich die Erscheinung mit Kakteen in Zusammenhang gebracht hatte. So kurz vor Fort Worth hatte ich meinen „Kakteensensor“ schon längst abgestellt. Hier gibt es doch so was nicht mehr. Natürlich war ich nun schon über die Kuppe hinweg. Es war nichts mehr zu sehen. Aber da vorne kam ja noch mal eine. Fuß vom Gas und da standen sie, einfach so am Straßenrand, wie ausgesät.
Es ist Echinocereus reichenbachii, der hier im Kalksteinbruch stand. Es waren gut einhundert Pflanzen, die sich über den Hang verteilten bis hinauf an den Weidezaun, aber auch da noch weiter auf dem Hügel in die Weide hinein, aber dort in viel größeren Abständen.
Aufgefallen ist mir, dass einige Blüten mehr Blütenblätter-Reihen aufwiesen wie andere, die sahen fast wie eine gefüllte Blüte aus. Auch die Ränder der Blütenblätter waren nicht einheitlich, meist glatt, manche aber auch ausgefranst. Die Blütenfarbe wies leichte Unterschiede in der Intensität des Rosa auf. Meine Frau und ich konnten uns nicht satt sehen und gingen von einer Pflanze zur anderen. So viele Pflanzen der selben Art an einer Stelle und dann noch die meisten in Blüte, es war ein Traum.
Für die Qualität der Bilder möchte ich mich entschuldigen. 2003 arbeitete ich noch mit einem Diafilm, die ich später digitalisiert habe. Die ursprüngliche Qualität konnte ich damit leider nicht erreichen.



