Kakteenholz

Kakteenholz? da wird sich so mancher fragen, was ist das denn?, bei meinen Mammillarien gibt es kein Holz, wenn die mal faulen, dann ist inner drin alles Matsch und außen, die Epidermis mit den daran sitzenden Dornen kann das nur mit Mühe zusammen halten.

Richtig!, es sind nur die Säulenkakteen, die im Innern holzartige Zellen ausbilden. Die kleineren Pflanzen haben das nicht nötig. Einige kurzsäulige Pflanzen neigen aber dazu im Winter, wenn sie trocken stehen, Bauchfalten zu bekommen. Notokaktus horstii ist da ein typisches Beispiel. Da wird der Kopf zu schwer für den Rest des Körpers, es fehlt das Rückgrad, oder besser gesagt: das Kakteenholz. Säulenkakteen könnten ohne diese Holzschicht überhaupt nicht senkrecht stehen. Diese wird im Bereich der Leitbündel gebildet und sind in den Aufgabenbereich des Wasser- und Nährstofftransportes involviert.

Wenn der Säulenkaktus abstirbt, vertrocknen zu erst die mit Wasser gefüllten Zellen außen um die Leitbündel so wie die im Innern des Holzkranzes. Es bleibt also nur das Kakteenholz übrig. Die Bewohner der Kakteengegenden machen sich das zu nutze, indem sie das Kakteenholz sammeln, Zäune und Hütten damit bauen.


Als Souvenir werden manchmal „Rainsticks“ angeboten. In die Löcher des Hohlen Holzes werden Kakteendornen mit der Spitze nach innen gesteckt, Sand und feiner Kies eingefüllt und die Enden verschlossen. Wenn man das Kakteenholz kippt rieselt der Sand durch das Rohr und gegen die Dornen, was wie Regen klingt.

Wenn dafür wirklich abgestorbene Kakteen genommen werden, kann man nichts dagegen einwenden, ich befürchte nur, dass die Nachfrage nach solchen Sticks größer ist wie das natürliche Aufkommen an Totholz, und dann werden für die Touristen fleißig Kakteen abgeholzt (ob aus der Kultur oder der Natur, das kann wiederum kaum jemand kontrollieren).

hübscher Hingucker in einer Schale oder auf dem Beet. Aber Achtung, nass werden sollten sie nicht, dann lösen auch die sich mit der Zeit auf.

Ein letzter Hinweis noch: Kakteenholz ist nicht gleich Kakteenholz. Vor allem unterscheiden sie sich im Muster der Löcher, vor denen sich einst die Areolen mit den Dornen befanden.


Kakteen haben Dornen

In der Entwicklungsgeschichte haben sich in besonders trockenen Gebieten aus den Blättern Dornen

Gymnocalycium monvillei

gebildet. Ausgangspunkt ist meist die mittlere Rippe eines Blattes, die verholzt oder durch Festigungsgewebe ein starres Gebilde entstehen lässt.

In trockenen Gebieten ist die Gefahr für die Pflanzen sehr groß gefressen zu werden, vor allem die weichen Blattteile, denn es gibt für die Pflanzenfresser wenige Alternativen. So bieten die Dornen einen Schutz.

Eulychnia sant-pieana

Doch besitzen die frühesten Kakteen noch Blätter zu den Dornen, die sie in der Trockenheit abwerfen, um weniger Feuchtigkeit zu verdunsten (Pereskia).

Oreocereus celsianus

Die Dornen entwickeln sich aus den Areolen, einem wolligen bis haarigem Polster, das sich auf den Rippen der Kakteen befindet. Diese Haare können sich zu einem dichten Geflecht ausbilden. Das hat die Aufgabe den Pflanzenkörper zu beschatten.

Bei heftigem Umgang mit der Pflanze kann sich das Areolenpolster mit den Haaren und Dornen von der Pflanze lösen.

Leuchtenbergia pricipis

Bei Leuchtenbergia principis sind die Dornen papierartig ausgebildet und sind bei mir in der Sammlung über 20 cm lang, während sie bei Sulcorebutia caniguerallii nur wenige Millimeter lang sind.

Sulcorebutia caniguerallii

Bei den Opuntien findet man in den Areolen noch winzige Dornen mit Widerhaken, den Glochiden. Sie haken sich gern in der Haut fest und man bekommt sie wegen ihrer Winzigkeit mit der Pinzette kaum zu fassen. Das ist auch wohl der Grund weshalb Opuntien ungern außerhalb eines Beetes im Garten kultiviert werden.

Thelocactus rinconensis

Die Dornen stehen für eine bestimmte Art in einem mehr oder weniger festen Anordnung, die als eine Möglichkeit zur Bestimmung der Pflanzen genommen werden kann.